Blog der Dreikönigsaktion

LernEinsatz: Mini „Süd-nach-Nord“-Austausch

Der Süd nach Nord Austausch ist immer eine besondere Chance für ehemalige LernEinsätzler/innen den Partnern etwas zurückzugeben – und ihnen verschiedene Eindrücke aus Österreich zu zeigen. LernEinsatz- Partner/innen aus Brasilien, Ghana, Peru und Philippinen waren im Frühling für ein paar Tage in Österreich unterwegs und tauchten durch ehemalige LernEinsätzler/innen in einem kurzen „Mini-SüdnachNord“ Austausch in viele Seiten des Lebens hier ein.

Die Sprachbarrieren veranlassten uns in der Planung die 8 Gäste aus den 4 Ländern aufzuteilen: Eine Gruppe formte sich aus den englischsprachigen Vertreter/innen, Mark und Rica von den Philippinen sowie Mary und Salifu aus Ghana. Die zweite Reisegruppe bestand aus den Lateinamerikaner/innen: Helia und Janaina aus Brasilien sowie Claudia und José Luis aus Peru. Dabei ging es über Linz einerseits nach Innsbruck, andererseits in die Steiermark und weiter wurden die Gruppen individuell in Wien herumgeführt.

Einige engagierte ehemalige Teilnehmer/innen stellten ein spannendes Programm für die Gäste auf die Beine: Am Programm standen Bildungseinrichtungen (integrative, bzw. landwirtschaftliche Schule) und soziale Einrichtungen (ein Flüchtlingsprojekt und pfarrliche Angebote), daneben gab es Zeit für intensive Gespräche über Leben, Kultur und Politik. Die Gäste wurden überrascht von dem sprunghaften Aprilwetter: von Schnee in Tirol bis zum Frühsommer in Wien. Letztlich hätten unsere Partner/innen gern noch mehr Seiten und Ehemalige kennengelernt und wiedergetroffen, doch die Zeit raste dahin – und nicht zuletzt mussten einige auch bald die Heimreise antreten um weiter ihren Aufgaben nachzugehen.

Danke an die ehemaligen Teilnehmer/innen, die den Gästen so eine schöne und interessante Zeit hier ermöglicht haben!

LernEinsatz ReUnion in Linz

Auch in diesem Jahr haben wir wieder die ehemaligen LernEinsätzler/innen herzlich dazu eingeladen, sich mit ehemaligen Mitreisenden auszutauschen. Das besondere bei der diesjährigen ReUnion? Erstmals waren die LernEinsatz-Koordinator/innen aus allen vier LernEinsatzländern anwesend!

Im Zuge eines Perspektiventreffens zu gemeinsamen Visionen, Herausforderungen und Stärken des LernEinsatzes hatte die Dreikönigsaktion diesjährig erstmals die zuständigen Koordinator/innen für den LernEinsatz aus Ghana, Peru, Brasilien und von den Philippinen gemeinsam nach Österreich eingeladen. Nach intensiven Workshoptagen in Attnag Puchheim freuten sich unsere Gäste schon sehr auf ein nettes Wiedersehen mit ehemaligen LernEinsatz Teilnehmer/innen bei der ReUnion in Linz.

Das Treffen in Linz begann mit einem informellen Austausch zwischen den ehemaligen Teilnehmer/innen sowie den LernEinsatz-Koordinator/innen bei Kaffee und Kuchen. In einem spannenden inhaltlichen Teil stellten dann alle Anwesenden ein paar der von ihnen als positiv und negativ empfundenen aktuellen Entwicklungen in ihren jeweiligen Heimatländern vor. Möglichkeiten und Grenzen des Engagements wurden hierbei ausgetauscht und diskutiert.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Zubereiten von philippinischen, ghanaischen, brasilianischen und peruanischen Köstlichkeiten, leckeren Caipirinhas und Musik und Tanz aus allen Ecken der Welt.

Danke allen Gästen fürs Kommen, Mitdiskutieren, Mitfeiern und lebendige Austauschen!

Mehr über unsere LernEinsatz –Koordinator/innen, die in Österreich zu Gast waren:
Wir konnten Mark und Rica von unserer Partnerorganisation Integrated Pastoral Development Initiative -IPDI von den Philippinen begrüßen. Das Team von IPDI koordiniert nicht nur seit Jahren mit großem Engagement den DKA-LernEinsatz. IPDI hat auch einen lokalen LernEinsatz, genannt Local Kapintig, ins Leben gerufen. Außerdem haben wir Edward Salifu und seine Frau Mary von unserer Partnerorganisation Tieloms Institute of Intercultural and Language Studies eingeladen. Alle, die in den letzten Jahren bzw. den letzten zwei Jahrzehnten auf LernEinsatz waren, kennen Salifu sehr gut von ihren Reisen.
Auch haben wir uns gefreut, José Luis und Claudia vom Instituto Bartolomé de las Casas in Peru in Österreich begrüßen zu dürfen, die dieses Jahr erstmals gemeinsam den LernEinsatz organisieren werden und uns einen spannenden Einblick in ihr Programm geben konnten. Aus Brasilien sind Janaina und Helia von der Partnerorganisation „CAJUEIRO“ Centro de formação, assessoria e Pesquisa em Juventude angereist. Besonders spannend an CAJUEIRO ist, mit wieviel Engagement sich die jungen Aktivistinnen und Aktivisten ehrenamtlich für verschiedenste Jugendangelegenheiten einsetzen.

Und dann kam Ibiza

Neuwahl heißt neue Chancen für Kinderarbeit stoppen

Kinder gehören in die Schule und nicht in die Fabrik, nicht in den Steinbruch, nicht in die Teppichknüpferei, nicht auf die Plantage.

Aber immer noch ist ausbeuterische Kinderarbeit für Millionen bitterer Alltag. Was kann man tun um dieses Leid zu stoppen? Die Frage stand am Anfang unserer Überlegungen und war die Motivation die Initiative gegen ausbeuterische Kinderarbeit ins Leben zu rufen.

Der wichtigste Schritt, um Kinderarbeit endlich Geschichte werden zu lassen ist eine gesetzlich verbindliche Verankerung von umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten. Nur ein solches Gesetz kann sicherstellen, dass Produkte, die in Österreich erhältlich sind, frei von ausbeuterischer Kinderarbeit und anderen gravierenden Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen sind.

100.000 Mails

Wir haben eine E-Mail Aktion an alle österreichischen NR-Abgeordneten und die Spitzenkandidat/innen zur Europawahl gestartet. Rund 100.000 E-Mail sind von Bürger/innen an ihre politischen Vertreter/innen geschickt wurden. Mit Erfolg: 54 Politiker/innen haben sich den Forderungen der Initiative spontan angeschlossen. Mit vielen anderen sind wir ins Gespräch gekommen.

Holland zeigts vor

Während unsere Initiative lief, bekamen wir Rückenwind aus den Niederlanden: Das Parlament in Amsterdam hat Mitte Mai ein Gesetz gegen Kinderarbeit mit Vorbildwirkung für Österreich beschlossen. Nach Inkrafttreten des Gesetzes müssen Unternehmen die Risiken über das Vorhandensein von ausbeuterischer Kinderarbeit erheben, zu deren Vermeidung beitragen und entsprechende Maßnahmen dagegen ergreifen.

Ibiza als Chance

Und dann kam Ibiza und der Neuwahlbeschluss. Über Nacht waren uns die Gesprächspartner/innen abhandengekommen. Zurück an den Start? Ganz im Gegenteil: Gemeinsam ist es uns gelungen das unsägliche Leid von über 70 Millionen Kindern zum innenpolitischen Thema zu machen. Jetzt müssen wir Sorge tragen, dass sie ihre Gesprächsbereitschaft, ihre Zustimmung zu unseren Forderungen nicht vergessen – und an dem Thema dranbleiben. Denn: Wann kann man sich von Politiker/innen mehr Aufmerksamkeit erwarten, als im Wahlkampf?

Darum brauchen wir jetzt noch einmal Eure Unterstützung: in den nächsten Wochen wird um jede einzelne Stimme geworben. Eine Forderung muss in jedes Wahlprogramm: Stoppen wir gemeinsam ausbeuterische Kinderarbeit!

 

Seit jeher ist der Sommer die Zeit der Postkarten. Hilf mit, die Postkästen der Parteizentralen mit „Kinderarbeit stoppen muss in jedes Wahlprogramm“ füllen. Bitte trenn das Mittelblatt heraus, und mach aus dem Bogen sechs Postkarten. Unterschreibe sie alle, und wirf sie einfach in den nächsten Postkasten. Wir leiten Deine Forderungen an alle Parteien weiter. Damit wir nach der Wahl im Regierungsprogramm unsere Forderung wiederfinden: Kein Kind darf unter ausbeuterischer Kinderarbeit leiden.

Fairtrade: Engagement für Kinder in Westafrika

Bildung statt Ausbeutung, Foto: Chris Terry

Im westafrikanischen Kakaosektor ist ausbeuterische Kinderarbeit weiterhin eine große Herausforderung. Daher setzt Fairtrade hier das Projekt „It Takes A Village To Protect A Child“ mit drei Kakaokooperativen aus der Elfenbeinküste um.

Entsprechend der zwei Säulen des Fairtrade-Ansatzes hat jede Kleinbauernkooperative ein Kinderarbeitskomitee gegründet und junge Erwachsene führen Umfragen in den Familien durch. Zusätzlich wird die Schul- und Weiterbildung der Kinder gefördert. Die Produzentenorganisationen setzen zum Beispiel die Fairtrade-Prämie sowie Projektgelder dafür ein, Schulen vor Ort besser auszustatten, Schulwege für die Kinder zu erleichtern oder Stipendien für Schülerinnen und Schüler zu vergeben. Fairtrade Afrika unterstützt die Organisationen bei diesen vielfältigen Aktivitäten in Zusammenarbeit mit einer ivorischen Kinderrechtsorganisation. Ziel ist es, dass in Zukunft möglichst viele Fairtrade-Kakaokooperativen in Westafrika ähnliche Projekte durchführen können.

https://www.fairtrade.at/

„Kinderarbeit wird nun versteckt“

Interview mit Owen Chourappa SJ (Director of LCHR, Legal Cell for Human Rights). LCHR ist die Partnerorganisation der Dreikönigsaktion, die sich für die Rechte der Teepflücker/innen in Assam (Indien) und gegen Kinderarbeit einsetzt.

Wie ist die aktuelle Situation zu Kinderarbeit in Assam?

Auf den Teeplantagen in Assam hat sich die Situation von Kinderarbeit in den letzten Jahren verbessert. Weil die Gesetze strenger geworden sind, aber auch weil wir mit anderen NGOs gegen Kinderarbeit aufgetreten sind. Trotzdem gibt es immer noch Kinderarbeit, die nun aber mehr versteckt ist. Zum Beispiel werden Kinder nun nicht mehr offiziell beschäftigt, müssen aber ihren Eltern beim Teeblätter-Pflücken „helfen“, damit diese genug zum Leben verdienen. Es wird ja pro gesammelter Menge bezahlt. Oft werden auch die Geburtsdaten der Kinder gefälscht, damit sie legal arbeiten können. Besonders kritisch wird es dann, wenn die Kinder nicht mehr zur Schule gehen können.

Abgesehen von den Teeplantagen: Wo gibt es noch Kinderarbeit?

Es gibt schon noch viele Kinder, die zum Beispiel in den Hotels arbeiten, dort wo man sie nicht so sieht, in der Küche oder als Reinigungskräfte. Und auf der Straße und entlang der Zugstrecken verkaufen viele Kinder Süßigkeiten oder andere Snacks. Viele Kinder leben auch vom Betteln oder Müllsammeln oder vom Schuhe putzen. Besonders schlimm ist es, wenn sie ohne Eltern auf der Straße leben oder Drogen nehmen. Dann ist es ganz schwer, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Immer wieder ist zu vernehmen, dass Kinder versklavt werden. Gibt es das?

Ja, Kindersklaverei existiert und wird zunehmend zu einem großen Problem. Die Familien auf den Teeplantagen sind sehr arm. In der Not werden dann leider zu oft Kinder von Assam in das nördlich gelegene Arunachal Pradesh verkauft. Wenn sie dann dort ankommen, gibt es kein Zurück mehr, sie dienen als entrechtete Arbeitskräfte und sind im Haushalt für alles zuständig. Sehr oft kommt es vor, dass die Mädchen dann auch sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Alle wissen das, aber niemand wagt es, dagegen anzugehen. Wir setzen bei den Eltern auf den Teeplantagen an, damit Kinder nicht mehr an diese Menschenhändler verkauft werden.

Wie kann Kinderarbeit weiter verringert werden?

Der Mangel an Bewusstsein zu Kinderrechten ist ein großer Nachteil. Für uns ist es eine Notwendigkeit, dass den Eltern und den Kindern selbst klar wird, dass junge Menschen ein Recht darauf haben, gesund aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Das ist unser großes Ziel und dafür setzen wir uns ein. Wichtig ist aber auch, den Lohn für die Teepflückerfamilien zu erhöhen, denn Armut ist ein Grund für Kinderarbeit und Kindersklaverei.

Wozu verbindliche Gesetze gegen ausbeuterische Kinderarbeit?

Weltweit müssen 73 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Sie setzen in Bergwerken und Steinbrüchen ihr Leben aufs Spiel, schuften auf Plantagen oder in Fabriken, nähen billige Kleidung oder knüpfen von morgens bis abends Teppiche.

Es sind vor allem Söhne und Töchter armer Eltern, die zum Arbeiten und Geldverdienen gezwungen sind, damit es für die Familien zum Überleben reicht. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ein globales Problem: Kinder schuften auch für Produkte, die wir hier in Österreich konsumieren.

Ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten

Dabei ist die internationale Rechtslage eindeutig: Ausbeuterische und gefährliche Kinderarbeit ist verboten. Nach der UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat jedes Kind Anspruch darauf, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden.
Kinder dürfen keine Arbeiten verrichten, die gefährlich sind oder die sie in ihrer Entwicklung schädigen, und es muss sichergestellt sein, dass sie zur Schule gehen können. Die internationale Staatengemeinschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinderarbeit bis 2025 abzuschaffen, dennoch stagniert der Rückgang der Zahl der arbeitenden Kinder in den letzten Jahren.

Fordern wir Politiker/innen zum Handeln auf!

Viele Regierungen haben Gesetzesvorhaben gegen ausbeuterische Kinderarbeit formuliert, doch sie werden vielfach nicht eingehalten. Nach wie vor steckt in vielen Produkten, die in Österreich erhältlich sind, für uns erst einmal unsichtbar ausbeuterische Kinderarbeit. Unternehmen haben sich lange Zeit aus der Verantwortung gestohlen, indem sie sich für ausbeuterische Kinderarbeit nicht zuständig erklärten und auf Regierungen verwiesen.
Seit der UN-Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen 2011 die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet hat, ist das nicht mehr möglich. Darin werden Unternehmen aufgefordert, die Menschenrechte zu achten und keinesfalls von Regierungsversäumnissen bei der Durchsetzung dieser Rechte zu profitieren. Ein zentraler Begriff dieser Leitlinie ist die Sorgfaltspflicht: Unternehmen müssen bei ihrer täglichen Geschäftspraxis sicherstellen, dass sie in allen Geschäftsabläufen nationale Gesetze und Menschenrechte einhalten. Doch die Realität zeigt, dass auf Freiwilligkeit beruhende Leitlinien und Empfehlungen nicht die gewünschte Wirkung erzielen.
Daher fordern wir unsere Politiker/innen auf, auf österreichischer und europäischer Ebene für eine gesetzlich verbindliche Verankerung von umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten einzutreten. Somit ist sichergestellt, dass Produkte, die in Österreich erhältlich sind, frei von ausbeuterischer Kinderarbeit und anderen gravierenden Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen sind.

Unterstütze unsere Initiative und fordere unsere Politiker/innen auf zu handeln: http://www.kinderarbeitstoppen.at

Initiative – Kinderarbeit stoppen

Foto: Benjamin Pütter

Albtraum ausbeuterische Kinderarbeit

Weltweit müssen 73 Mio. Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Sie setzen in Bergwerken und Steinbrüchen ihr Leben aufs Spiel, schuften auf Plantagen oder in Fabriken, nähen billige Kleidung oder knüpfen von morgens bis abends Teppiche.

Auch in Produkten, die wir hier in Österreich konsumieren, steckt – für uns erstmal unsichtbar – ausbeuterische Kinderarbeit: Im morgendlichen Kaffee, in der Tasse Kakao, in der Schokolade, im Wohnzimmerteppich, im Smartphone etc. Beim täglichen Lebensmittel-Einkauf können wir auf verlässliche Gütesiegel wie Fairtrade achten, da diese aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit vorgehen. Doch was ist mit dem nicht-zertifizierten Löwenanteil und Produkten mit komplizierten Lieferketten wie elektronischen Geräten?

Fordere Politiker/innen zum Handeln auf!

Um ausbeuterische Kinderarbeit aus den von uns gekauften Produkten zu verbannen, braucht es vor allem eines: Gesetze, die eine bessere Kontrolle von Herstellungsbedingungen verordnen.
Daher fordern wir die verantwortlichen Politiker/innen auf, für eine gesetzlich verbindliche Verankerung von umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten einzutreten. So kann wirkungsvoll gegen ausbeuterische Kinderarbeit und andere gravierende Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen vorgegangen werden. Ab 29. April kannst du auf www.kinderarbeitstoppen.at E-Mails an die Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat, Bundesrat und die Kandidat/innen zur Wahl ins Europäische Parlament senden.

Spendenaufruf für die Opfer der Giftschlammlawine

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Nach dem Giftschlamm ist nichts mehr so, wie es einmal war. Foto: MAB

„Die Menschen stehen vor dem Nichts. Viele Familien haben Opfer zu beklagen. Ihre Existenzen sind zerstört. Der Schlamm ist hochgiftig.  Es wird Jahrzehnte dauern bis das Land wieder nutzbar ist, bis in den Flüssen wieder Fische leben“, Angela Kemper, Brasilienreferentin

Deine Spende hilft den Opfern des Giftschlamms

Ein umfangreiches Soforthilfepaket der Dreikönigsaktion soll jetzt rasch und unbürokratisch Hilfe für die Betroffenen bringen. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit unseren Partnerorganisationen vor Ort. Unsere Partnerorganisationen sind derzeit 24 Stunden im Einsatz, betreuen die Opfer und versorgen die Menschen mit dem Notwendigsten. Da ist zum Beispiel die MüllsammlerInneninitiative INSEA, CIMI, die Einrichtung der Kirche für die indigenen Völker oder die Bewegung der Staudammbetroffenen MAB, die mit Spendengeldern der Dreikönigsaktion vor Ort arbeiten.“, bittet Angela Kemper im Namen der Opfer um ein Zeichen der Solidarität.

Hier kannst du spenden.

Dammbruch: Angekündigte Tragödie?

Joceli Andrioli von unserer Partnerorganisation MAB (Movimento dos Antigidos por Barragens) spricht in Sachen Brumadinho von einer „angekündigten Tragödie“: „Die brasilianische Zivilgesellschaft hat immer wieder davor gewarnt, dass weitere Dämme brechen könnten, doch bei Unternehmen und Politik stießen sie auf taube Ohren. Die Gier nach Gewinnen kennt keine Grenzen.“ MAB-Mitarbeiter/innen haben bei den Aktionärsversammlungen von Vale schon seit mehreren Jahren auf die Gefahren hingewiesen, die sich aus der permanenten Kostenreduzierung des Konzerns ableiten. Diese führten zu Gefahren beim Betrieb der Minen und setzten das Leben von Arbeitern und der Bevölkerung aufs Spiel. „Man kann nicht sagen, dass der Dammbruch aus heiterem Himmel kam. Trotz aller Warnungen hat Vale nichts dafür getan, die Risiken zu beheben. Der Profit steht für Vale über den Menschenleben“, kritisiert Andrioli.

Zum Nachlesen

Profitgier vor Verantwortung: Unsere deutsche Partnerorganisation MISEREOR hat die Hintergrundinfos zur Katastrophe zusammengefasst.

Presseaussendung der CIDSE, unseres internationalen Dachverbands der Katholischen Hilfswerke, zur Tragödie von Brumadinho

Update Brasilien: Dorf der Indigenen Pataxó Hã-hã-hãe evakuiert

Brasilien: Wieder Giftschlammkatastrophe durch Bergwerksdammbruch

Update Brasilien: Dorf der Indigenen Pataxó Hã-hã-hãe evakuiert

26. 1. 2019: Update zu Brasilien: Wieder Giftschlammkatastrophe durch Bergwerksdammbruch

cimi

Das Dorf Naô Xohã des indigenen Volkes Pataxó Hã-hã-hãe mit 25 Familien musste gestern – in Folge des Bruchs des Rückhaltedamms einer vom Bergbaukonzern Vale betriebenen Eisenerzmine – evakuiert werden, wie unsere Partnerorganisation Conselho Indigenista Missionário – Cimi berichtet.

Die Schlammlawine näherte sich gestern dem Dorf am Paraopeba-Fluß, das Gefahr läuft, von der Schlammmassen begraben zu werden. Die 25 Familien fürchten um ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage.

Die Tragödie wiederholt sich

Viele erinnern sich an das Desaster von Mariana im November 2015, ebenfalls Bundesstaat Minas Gerais, als ein Rückhaltedamm einer Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Samarco brach und eine giftige Schlammlawine zahlreiche Menschenleben forderte und ganze Dörfer unter sich begrub.

Zur Petition: Rechte für Menschen, Regeln für Konzerne – Stopp ISDS!

Brasilien: Wieder Giftschlammkatastrophe durch Bergwerksdammbruch

Unsere Projektpartner/innen in Minas Gerais, Brasilien, schlagen Alarm und sprechen von einer „angekündigten Tragödie“.

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Vor wenigen Stunden hat sich in Brumadinho in der Großregion Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais, Brasilien, ein neuerlicher Bergwerksdammbruch ereignet. Der Rückhaltedamm der Eisenerzmine Córrego do Feijao, betrieben vom Bergbaukonzern Vale, ist geborsten. Er hat eine Kapazität von 1 Mio. m³ an giftigem Bergwerksschlamm. 48 Gemeinden am Paraopeba Fluss sind betroffen.

Auch mehrere Projekte der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar liegen im Einzugsgebiet der Schlammlawine. Noch ist das Ausmaß der Katastrophe nicht klar und es sind noch keine Opferzahlen bekannt. Unsere Projektpartner sind derzeit mit der Evakuierung der betroffenen Menschen beschäftigt.

„Angekündigte Tragödie“

Unser Projektpartner MAB (Movimento dos Atingidos por Barragens), die Bewegung der von Staudammbauten Betroffenen, spricht von einer “angekündigten Tragödie”. Seit Jahren kritisiert MAB das aktuelle Bergbaumodell, das durch Privatisierungen und multinationale Verflechtungen Gewinne über Menschleben und Naturschutz stellt.

Seit 2015 gab es mehrere Beschwerden darüber, dass die Rückhaltedämme der Eisenerzmine Córrego do Feijao Gefahr laufen zu brechen, dennoch wurde Ende 2018 der Erweiterung der Mine vonseiten der Behörden zugestimmt.

Rechte für Menschen, Regeln für Konzerne!

Derartige Unternehmenskatastrophen sind keine Einzelfälle und gehören quasi zum „normalen“ Unternehmensrisiko! Das muss sich ändern! Wirtschaftliche Aktivitäten müssen einem verbindlichen Menschenrechtsabkommen unterliegen!

Unterstütze die europaweite Initiative „Rechte für Menschen, Regeln für Konzerene – Stopp ISDS!“

Mariana: Schlamm der Zerstörung

Im November 2015 brach in Mariana, ebenfalls im Bundesstaat von Minas Gerais, auch ein Rückhaltedamm einer Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Samarco. Das Desaster von Mariana gilt als größte Umweltkatastrophe Brasiliens. Die Betroffenen warten bis heute auf Entschädigung.

26.1.2019: Update Brasilien: Dorf der Indigenen Pataxó Hã-hã-hãe evakuiert