Weiß wie Wir

Auf dem Nebentisch, sitzt ein Mann. Alleine. Trotzdem spricht er laut. Seltsamer Typ, denk ich. Aber sonst keine Beachtung. Beim Verlassen des Lokals erklärt mir mein Begleiter, dass er sich über das T-Shirt einer Kollegin an unserem Tisch echauffiert hat. Das Shirt sagt „Ich steh auf der Seite der Indigenen Völker Brasiliens“.  Warum er gezwungen ist auf so ein T-Shirt beim Essen zu blicken zu müssen, regt er sich auf.

Dass ich ihn nicht verstanden habe, liegt daran, dass sich die Szene einem Restaurant in Dourados, mitten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul abspielt, und ich kein portugiesisch spreche. Ich bin hier sozusagen sowas von Ausländer, dass es ärger nicht geht. Ich kenne weder die hier gebräuchlichen Sprachen (portugiesisch und Guarani) noch Gebräuche. Trotzdem sind alle freundlich zu mir und sie bleiben es auch wenn ich mit meinem Kindergarten-Spanisch (dass das nicht weder die offizielle Landessprache, noch die Sprache der Indigenen ist, bin ich mir durchaus bewusst, aber zu mehr reicht es halt nicht) mich zum fünften Mal versuche verständlich zu machen.

Schnitt und Themenwechsel. Eine andere Kollegin plaudert nach Schulschluss mit indigenen Jugendlichen. Die Girls wollen ein gemeinsames Foto und erklären ihr sie wären so gerne „weiß wie wir“. Dann würde man sie in der Stadt nicht so komisch anschauen – und sie kämen ohne Probleme in jedes Eisgeschäft, in jedes Kino.

Ich bin auf der Straße weder elegant gekleidet noch trage ich teure Markenware. Es weist also nichts darauf hin, dass ich ein wohlhabender Mann bin. Dennoch die oben erwähnte Freundlichkeit. Das liegt schlicht und einfach an der Hautfarbe und man nennt die Verhaltensweise „Rassismus“. Und nur um darauf hinzuweisen: Wir schreiben das Jahr 2015….die Kolonialzeit ist längst vorbei, oder?

christian.herret@dka.at, derzeit auf Pressereise für die Sternsingerdoku im ORF am 1.1.2016, 17.05 in ORF 2 in Mato Grosso do Sul/Brasilien

Beteilige dich an der Unterhaltung

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.