„Kinderarbeit wird nun versteckt“

Interview mit Owen Chourappa SJ (Director of LCHR, Legal Cell for Human Rights). LCHR ist die Partnerorganisation der Dreikönigsaktion, die sich für die Rechte der Teepflücker/innen in Assam (Indien) und gegen Kinderarbeit einsetzt.

Wie ist die aktuelle Situation zu Kinderarbeit in Assam?

Auf den Teeplantagen in Assam hat sich die Situation von Kinderarbeit in den letzten Jahren verbessert. Weil die Gesetze strenger geworden sind, aber auch weil wir mit anderen NGOs gegen Kinderarbeit aufgetreten sind. Trotzdem gibt es immer noch Kinderarbeit, die nun aber mehr versteckt ist. Zum Beispiel werden Kinder nun nicht mehr offiziell beschäftigt, müssen aber ihren Eltern beim Teeblätter-Pflücken „helfen“, damit diese genug zum Leben verdienen. Es wird ja pro gesammelter Menge bezahlt. Oft werden auch die Geburtsdaten der Kinder gefälscht, damit sie legal arbeiten können. Besonders kritisch wird es dann, wenn die Kinder nicht mehr zur Schule gehen können.

Abgesehen von den Teeplantagen: Wo gibt es noch Kinderarbeit?

Es gibt schon noch viele Kinder, die zum Beispiel in den Hotels arbeiten, dort wo man sie nicht so sieht, in der Küche oder als Reinigungskräfte. Und auf der Straße und entlang der Zugstrecken verkaufen viele Kinder Süßigkeiten oder andere Snacks. Viele Kinder leben auch vom Betteln oder Müllsammeln oder vom Schuhe putzen. Besonders schlimm ist es, wenn sie ohne Eltern auf der Straße leben oder Drogen nehmen. Dann ist es ganz schwer, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Immer wieder ist zu vernehmen, dass Kinder versklavt werden. Gibt es das?

Ja, Kindersklaverei existiert und wird zunehmend zu einem großen Problem. Die Familien auf den Teeplantagen sind sehr arm. In der Not werden dann leider zu oft Kinder von Assam in das nördlich gelegene Arunachal Pradesh verkauft. Wenn sie dann dort ankommen, gibt es kein Zurück mehr, sie dienen als entrechtete Arbeitskräfte und sind im Haushalt für alles zuständig. Sehr oft kommt es vor, dass die Mädchen dann auch sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Alle wissen das, aber niemand wagt es, dagegen anzugehen. Wir setzen bei den Eltern auf den Teeplantagen an, damit Kinder nicht mehr an diese Menschenhändler verkauft werden.

Wie kann Kinderarbeit weiter verringert werden?

Der Mangel an Bewusstsein zu Kinderrechten ist ein großer Nachteil. Für uns ist es eine Notwendigkeit, dass den Eltern und den Kindern selbst klar wird, dass junge Menschen ein Recht darauf haben, gesund aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Das ist unser großes Ziel und dafür setzen wir uns ein. Wichtig ist aber auch, den Lohn für die Teepflückerfamilien zu erhöhen, denn Armut ist ein Grund für Kinderarbeit und Kindersklaverei.

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