Blog der Dreikönigsaktion

Ein Wunder ist nötig

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Klimamarsch in Katowice © Mario Stankovic

Von 2. bis 14. Dezember fand im polnischen Katowice die 24. UN-Klimakonferenz statt. In deren Rahmen gab es auch ein fünftägiges Klimacamp mit rund 100 Jugendlichen aus 13 verschiedenen europäischen Ländern, organisiert von der „Coopération Internationale pour le Développement et la Solidarité“ (CIDSE), dem Dachverband der Katholischen Hilfswerke. Auch vier Österreicher/innen waren mit dabei. Ein Bericht von unserem Kollegen Daniel Ongaretto-Furxer.

Ich steige in Katowice aus dem Zug aus und nehme einen tiefen Atemzug. Der Geruch von Kohle liegt in der Luft und wird mich die nächsten vier Tage in Katowice begleiten. Kohle und der damit verbundenen erhöhten C02 Ausstoß ist ein großes Thema.Das polnische Katowice ist von 2.-14. Dezember Schauplatz der Klimakonferenz COP24.  Die heurige weltweite Tagung ist wahrscheinlich eine entscheidende Konferenz. Hier sollen die Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015 beschlossen werden. Wie erreichen es die einzelnen Staaten, das Ziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts umzusetzen?

Der Klimagipfel wird in einer Stadt ausgetragen, die traditionell zu den größten Kohleabbaugebieten Polens gehört. Sicher: Viele Untertagbauminen wurden bereits geschlossen, Katowice wendet sich mit der Ansiedlung von Hochtechnologiekonzernen dem 21. Jahrhundert zu. Trotzdem: Polen bleibt das fünftgrößte Kohleabbaugebiet der ganzen Welt, nach Deutschland, China, Russland und den USA. Die politischen Vertreter/innen machen derzeit keine Zugeständnisse, auf Kohle als Stromerzeuger zu verzichten.

In der ersten Woche sah es nicht so aus, als könnte ein Durchbruch gelingen.

Aber zu guter Letzt ist ein Regelbuch zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen worden. Das Regelbuch ist eine wichtige Etappe in der internationalen Klimapolitik, weil es die konkrete Umsetzung des Paris-Abkommens festlegt und damit über die Wirksamkeit der internationalen Vereinbarung mitentscheidet. Ist das die entscheidende Wende im Kampf gegen die Klimakrise? Um ehrlich zu sein: es sieht nicht so aus, die Politiker/innen agieren zu träge. Es ist viel zu wenig Mut im Spiel, von Aufbruchsstimmung keine Spur.

Beistand von Oben, Wandel hier unten

Ist jetzt Hoffnungslosigkeit angesagt? Moment – jetzt kommen wir als Kirche ins Spiel: Was uns Gläubige rund um den Globus auszeichnet ist doch, dass wir die Hoffnung nie aufgeben. Ich habe in Katowice etwas Entscheidendes gelernt. Nicht wir Menschen können alleine die Wende bewerkstelligen. Agata Wartak von der Global Catholic Climate Movement (GCCM) Polen formulierte es so: „Wenn wir Menschen glauben, dass wir das alleine schaffen können, dann irren wir uns. Ich bete und vertraue darauf, dass Gott einen entscheidenden Beitrag leistet. Er will, dass es uns gut geht und wir ein gutes Leben führen können. Wir als Klimaaktivist/innen werden müde, wenn wir denken, alles hängt von uns ab. Wenn wir beten können wir aber auf ein Eingreifen Gottes hoffen, auf ein Wunder also.“

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„Let us be protectors of  Creation“ – for the people – Wir sind das Wunder.   © Mario Stankovic

Wir sind das Wunder

In wenigen Tagen feiern wir, dass Gott Mensch geworden ist: Er legt die Welt in Kinderhände – Ein Flüchtlingskind, geboren in einer Krippe, kündet die große Veränderung. Wir sind seine Hände, seine Stimme – und die gilt es zu erheben. Beten, Kraft schöpfen, Welt verändern. Gehen wir es an. Unsere 85.000 Sternsingerinnen und Sternsinger, nehmen das wörtlich und zeigen uns was es heißt sich auf den Weg zu einer gerechten Welt zu machen.

daniel.ongaretto-furxer@kath-kirche-vorarlberg.at

 

 

 

Auf der anderen Seite der Rohstofflieferkette

Woher kommen unsere Rohstoffe? Vom Schiff. Zumindest endet dort nicht selten die Nachvollziehbarkeit der Herkunft vieler Rohstoffe, die zu uns nach Europa geliefert werden. Hier werden sie weiterverarbeitet und auch genutzt. Der größte Teil der Wertschöpfung passiert hier bei uns.

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Die jahrzehntelange staubige Arbeit im Kohlebergwerk hat die Bergleute schwer lungenkrank gemacht. Lokale Partner/innen der Dreikönigsaktion unterstützen sie in ihrem rechtlichen Kampf um Entschädigung.

Vergiftete Umwelt, kranke Menschen

Doch was spielt sich auf der anderen Seite der Lieferkette ab, dort wo Rohstoffe im großen Stil abgebaut werden? Wer sich auf die Suche nach Antworten auf diese Frage begibt, stößt auf Geschichten wie jene der lungenkranken Ex-Kohlebergarbeiter aus Makuya in der südafrikanischen Provinz Limpopo. Aufgrund mangelnder Schutzvorkehrungen während der jahrelangen Arbeit unter intensiver Kohlestaubbelastung im Bergwerk wurden sie schwer lungenkrank, arbeitsunfähig und daraufhin meist ohne Entschädigung entlassen. Nachdem die Mine 2014 geschlossen wurde, kam nicht nur die lokale Wirtschaft zum Erliegen und hinterließ die Bevölkerung praktisch ohne Erwerbsmöglichkeiten, es schloss auch die örtliche Klinik, die kranken Bergarbeiter stehen also auch ohne lokale medizinische Versorgung da. Die Justice & Peace-Kommission der Katholischen Bischofskonferenz Südafrikas, eine Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, unterstützt die Ex-Kohlebergarbeiter derzeit in einer Sammelklage gegen die Kohleminenbetreiber, damit sie die ihnen zustehende Entschädigung für ihre arbeitsbedingte Krankheit erhalten.

Oder man stößt auf die Geschichte der informellen Siedlung MNS (benannt nach einem Minenunternehmen) in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga, deren Bewohner/innen ohne Trinkwasser, Strom, Klinik oder Schule auskommen müssen, während die Leitungen direkt an der Siedlung vorbei Wasser und Strom in die Kohlemine hineintransportieren und schwere LKWs die Kohle auf der direkt an der Siedlung vorbeiführenden Straße heraustransportieren. Was den Bewohner/innen bleibt, ist der intensive Staub, den die Arbeiten in der nahegelegenen Kohlemine und der Schwerverkehr aufwirbeln. Oder das Warten auf Trinkwasser, das alle zwei bis drei Wochen in die Wassertanks gefüllt wird. Oder der vergiftete, ungesicherte Krater von der stillgelegten Mine nebenan, aus dem sie schwermetallverseuchte Kohlereste zum Kochen vor den Wellblechhütten holen und der ihren Kindern als Spielplatz dient.

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Warten auf Trinkwasser, das alle 2-3 Wochen in die Siedlung geliefert wird.

Geschichten wie jene der Bergarbeiter von Makuya oder der Siedlung MNS haben System und wiederholen sich überall auf der Welt. Für einzelne Betroffene erscheint es unmöglich, die Schuldigen an ihrer Misere zur Verantwortung zu ziehen. Global agierende Bergbaukonzerne sind ein schier übermächtiger Gegner. Unsere Partner/innen sind jedoch überzeugt: Nur wer sich zusammenschließt und geeint auftritt, hat eine reale Chance, zu seinem Recht zu kommen und mächtigen Wirtschaftsinteressen die Stirn zu bieten.

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Krater einer stillgelegten Kohlemine direkt neben der Siedlung MNS

Vernetzung geschieht: Erstes Weltsozialforum zu Bergbau und Extraktivismus in Johannesburg, Südafrika

Aus diesem Grund trafen Mitte November 2018  etwa 300 Aktivist/innen aus vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 60 Ländern zum ersten Thematischen Sozialforum zu Bergbau und Extraktivismus in Johannesburg zusammen. Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar hat das Forum mitorganisiert und war gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen, die betroffene Gemeinschaften in den Bergbauregionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas vertreten oder diese unterstützen, vor Ort.

Die Geschichten von Makuya und MNS wiederholten sich auf dem Forum immer und immer wieder. Sie handeln zwar von verschiedenen Rohstoffen und die konkreten Rahmenbedingungen in Ländern Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas mögen sich unterscheiden, doch die strukturellen Grundzüge, die der derzeitige weltweite Wettlauf um Rohstoffe hervorbringt, sind dieselben: Lokale Gemeinschaften, die keinerlei Mitspracherecht über Bergbau-Projekte haben, geschweige denn, davon nennenswert profitieren – das Gros der Wertschöpfung und die verarbeitende Industrie mit gut bezahlten Jobs entstehen anderswo. Menschen, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in Minen arbeiten, Menschen, die für neue Minenprojekte aus ihren Häusern vertrieben werden. Es kommt zu massiver Zerstörung der Umwelt, die lokale Bevölkerung leidet unter den hohen Gesundheitsbelastungen. Jene, die sich gegen die Projekte stellen, werden mit Gewalt eingeschüchtert.

Wenn die Geschichte von Frauen erzählt wird, kommen meist sexuelle Gewalt und Ausbeutung als Konstante hinzu. Sie berichten auch von der Situation der Kinder in betroffenen Gemeinschaften, denen nicht nur Zukunftsperspektiven geraubt werden. Auch im Hier und Jetzt leiden sie besonders unter den massiven Gesundheitsbelastungen durch Bergbauaktivitäten und sind den Gefahren ausgesetzt, die ungesicherte oder verlassene Minen häufig mit sich bringen.

Hauptprofiteure dieser Geschichten sind transnationale Bergbau- und Rohstoffunternehmen, die Gewinne mit Steuertricks aus den Ländern schleusen. Die wichtigste Erkenntnis des Forums ist, dass es sich bei den Fallbeispielen keineswegs um bedauerliche Einzelfälle handelt, sondern um strukturelle Auswirkungen eines menschenverachtenden Wirtschaftssystems, in dem Menschen einzig als Humankapital oder lästige Störenfriede und Natur als zu Geld machbare natürliche Ressource betrachtet werden.

Auf dieser Basis bot das Forum den notwendigen Raum, um eine breite internationale Bewegung ins Leben zu rufen, die sich den zerstörerischen Auswirkungen dieses ökonomischen Modells im Dienste weniger entgegenstellt und das „Recht, Nein zu sagen“ einfordert, das Recht der betroffenen Gemeinschaften, über ihr Schicksal, ihre Lebensgrundlagen zu entscheiden.

Ein wichtiger Schritt zur Einhaltung der Menschenrechte für jene, die durch den Bergbau zu Schaden kommen, ist die Einschränkung der Macht von transnationalen Konzernen. Dafür sind rechtlich bindende internationale Verträge – etwa das derzeit bei der UNO verhandelte Abkommen zur menschenrechtlichen Verantwortung (transnationaler) Unternehmen von zentraler Bedeutung. Gemeinsam mit anderen Organisationen setzt sich die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar seit Jahren dafür ein, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten ihre Blockadehaltung aufgeben und sich konstruktiv in den genannten UN-Prozess einbringen.

Auch dafür sind in den Tagen nach Weihnachten wieder 85.000 Sternsingerinnen und Sternsinger unterwegs: Damit die Menschenrechte 70 Jahre nach ihrem Beschluss für alle Menschen Wirklichkeit werden.

isabella.wieser@dka.at

Weiterführende Links:

Abschlusserklärung des Thematischen Sozialforums zu Bergbau und Extraktivismus in mehreren Sprachen (für die deutsche Version nach unten scrollen).

Aktionsplan des Thematischen Sozialforums zu Bergbau und Extraktivismus.

Auf der Website des Dachverbands der katholischen Hilfswerke CIDSE gibt es tägliche Kurzberichte zum Thematischen Sozialforum zu Bergbau und Extraktivismus nachzulesen.

Im Anschluss an das Thematische Sozialforum in Johannesburg fuhr eine Gruppe aus Mitarbeiter/innen und Partner/innen der Dreikönigsaktion aus Kolumbien, Uganda und Südafrika in das aufstrebende Bergbaugebiet um Lephalale im Norden Südafrikas. Trusha Reddy von unserer südafrikanischen Partnerorganisation WoMin fasste die Eindrücke in einem Fotobericht zusammen.

 

 

Wenn die Sternsinger/innen Pause machen

Aus der Perspektive einer Sternsingerin kennt Charlotte die Dreikönigsaktion seit vielen Jahren. Aber was machen die dort eigentlich das ganze Jahr über, wenn Caspar, Melchior und Balthasar Pause haben? Für ihre Schulpraktischen Tage haben wir Charlotte eingeladen, sich ein Bild davon zu machen.

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An meinem ersten Tag wurde ich zu aller erst mit zwei anderen neuen Mitarbeiter/innen im Büro herumgeführt. Wir gingen von Büro zu Büro und stellten uns vor. Danach begann es für mich eigentlich gleich mit den ‚Interviews‘. Zu allererst wurde mir von der Anwaltschaft erzählt, die mich dann auch am meisten faszinierte. Am Anfang dachte ich die Anwaltschaft hat irgendwas mit Rechteinhaltung und eben Anwälten zu tun, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Was viele ja nicht wissen ist, dass nicht das ganze gespendete Geld in die Projekte überläuft. Wenig bleibt auch in Österreich und da kommt man dann zur Anwaltschaft. Es geht eigentlich hauptsächlich darum, dass wir nicht nur helfen können, sondern auch unseren eigenen Lebensstil verändern müssen. Wir müssen also an uns selbst beginnen, nur die Hilfe Vorort reicht nicht.

Danach wurde mir von der Bildungsarbeit erzählt. In der es hauptsächlich darum geht Kontakt mit den Partnerorganisationen aufzunehmen (Kontakt von Mensch zu Mensch) und die besser kennen zu lernen. Auch organisiert sie die Reisen in und aus den Partnerländern. Die Reiseziele der Menschen sind Menschen. Für mich war der erste Arbeitstag somit abgeschlossen.

Am zweiten Tag gab es einen ‚Vortrag‘ über Sozial Media. Der fand eigentlich den ganzen Tag statt und ich durfte daneben sitzen und auch Fragen stellen. Auf jeden Fall war es sehr interessant und ich lernte auch die eine und die andere Sache.

Dann begann auch schon mein letzter Arbeitstag… Als erstes hatte ich mal wieder ein ‚Interview‘ in dem mir diesmal über die Projekte erzählt wurde. Zu allererst wurde mir mal erklärt wie die Teams aufgebaut wurden und was die Referenten machen. Dann was für Projekte es gibt und wie so ein Projekt überhaupt entsteht. Was ich daran auch sehr interessant fand, war der Fakt, dass die Partnerorganisationen Vorort die Ideen für die Projekte brachten und sich somit selber überlegen was und wie sie etwas in ihrem Land ändern wollen. Natürlich gibt es für jedes Land eine eigene ‚Strategie‘, aber die Projekte kommen von den Ländern selber. Über die Projekte könnte ich eigentlich noch Stunden lang schreiben.

Danach begann ich diesen Artikel hier zu schreiben und alle Informationen, die ich in den letzten Tag bekommen hatte, zusammenzufassen. Mein allerletztes ‚Interview‘ war mit der Jungschar. Ich gehe ja selber auch schon seit vielen Jahren in die Jungschar und bin mit ihr ja auch zum Sternsingen gekommen. Mir wurde das ganze System über der Pfarre heraus erklärt und auch noch viel über die Jungschar selber erzählt, was ich noch nicht wusste. Zum Beispiel, dass die eigentlichen Chefs der Chefs ehrenamtlich arbeiten. Danach war’s dann eigentlich schon aus…schade 🙂

Charlotte

Neugierig geworden? Auf www.dka.at gibt es mehr Infos zur Arbeit der Dreikönigsaktion während des Jahres und der Sternsingeraktion zum Nachlesen.

Am langen Weg zu verpflichtenden Menschenrechtsstandards für transnationale Unternehmen – Station Genf

Ute Mayrhofer und Marieta Kaufmann, Anwaltschaftsreferentinnen der Dreikönigsaktion, nahmen im Oktober in Genf an der 4. Sitzung der Verhandlungen für einen „UN-Vertrag zu Wirtschaft und Menschenrechten“ teil. Zusammen mit Partnerorganisationen setzten sie sich dafür ein, dass Menschenrechte vor Wirtschaftsinteressen gestellt werden.

Ein Gespräch mit Marieta KaufmannUN_Treaty

Nach einer Verhandlungswoche bei den Vereinten Nationen bleiben viele Bilder, Fragen und Gedanken, die weitergedacht werden wollen. Was ist dir besonders prägnant im Gedächtnis geblieben?

Marieta Kaufmann: Besonders eindrucksvoll war für mich der Bericht unseres brasilianischen Projektpartners André Karipuna vom indigenen Volk der Karipuna aus Rondônia. Er sprach vom Massaker an seinem Volk, auf dessen Territorium Kautschuk abgebaut werden sollte. In den 1970er-Jahren lebten nur mehr acht Personen seines Volkes. Mit der Anerkennung indigener Rechte in der brasilianischen Verfassung von 1988 wurde das indigene Gebiet der Karipuna in den 1990er-Jahren anerkannt und demarkiert. Mittlerweile ist die Bevölkerungsanzahl wieder auf 58 Personen gewachsen. Bedroht sind die Karipuna in Rondônia aber immer noch, etwa durch illegale Abholzungen. André Karipuna forderte eindrücklich den Schutz indigener Gebiete vor ökonomischen Interessen, der im UN-Vertrag zu Wirtschaft und Menschenrechte verankert werden sollte.

Ich konnte nicht umhin, an das Statement des designierten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro vom Februar dieses Jahrs zu denken, als er erklärte: “Wenn ich gewählt werde, wird der Indigene keinen Zentimeter Land mehr bekommen“. Die brasilianische Vertretung in Genf handelte prompt: außerhalb der Tagesordnung ergriff die Botschafterin Brasiliens Maria Nazareth Farani Azevêdo das Wort und forderte den Vorsitzenden der UN-Arbeitsgruppe auf, dafür zu sorgen, dass keine Stellungnahmen in Hinblick auf die politische Situation in Brasilien und die Wahlen abgegeben werden. Es war erschreckend zu sehen, wie heftig der brasilianische Staat reagiert.

Worum ging es bei den Verhandlungen und warum bringen wir uns als Dreikönigsaktion da ein?

Marieta: Das Beispiel des indigenen Volks der Karipuna ist exemplarisch für die Menschenrechtsverletzungen, die Unternehmen weltweit begehen. Kinderarbeit, Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Fabrikunfälle, mangelnde Gesundheitsschutzmaßnahmen oder Landvertreibungen sind nur einige Beispiele. Betroffene können sich nur schwer wehren, vor allem wenn transnationale Unternehmen beteiligt sind. Komplexe Unternehmensstrukturen und -beziehungen machen es faktisch unmöglich, dass Betroffene gegen diese Unternehmen klagen. Dem will der UN-Vertrag zu Wirtschaft und Menschenrechte begegnen. Als international verbindliches Abkommen soll er die Rechtslücken schließen, die die Globalisierung erzeugt hat.

Welche Schwierigkeiten und Tücken gibt es auf dem Weg zu einem verbindlichen UN-Vertrag?

Marieta: Der vorgelegte Entwurf für einen UN-Vertrag zu Wirtschaft und Menschenrechten soll die Staaten verpflichten, Standards zum effektiven Menschenrechtsschutz für transnational agierende Unternehmen festzulegen. Wenn die Staaten selbst diese Reglementierung aber nicht wollen, werden sie einen solchen Vertrag nicht ratifizieren, geschweige denn umsetzen. Auf der anderen Seite muss immer auch die Perspektive der Betroffenen berücksichtigt werden. Wir unterstützen unsere Projektpartner/innen dabei, ihre Anliegen international vorbringen zu können. Wir dürfen aber nicht illusorisch sein. Allein der UN-Vertrag wird Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen kein Ende bereiten. Der Vertrag kann aber ein wesentlicher Beitrag sein, die Rechtsposition Betroffener zu verbessern, Rechtsstandards international zu harmonisieren und den Vorrang von Menschenrechten vor Profit politisch voranzubringen.

Du hast vor den vereinten Nationen selbst ein Statement verlesen. Wie ist es dazu gekommen und was war der wichtigste Punkt darin?

Marieta: Gemeinsam mit meiner Kollegin Ute Mayrhofer ist uns aufgefallen, dass bei den vielen Statements, die zum Vertragsentwurf eingebracht wurden, Kinder und Jugendliche nicht berücksichtigt werden, obwohl diese besonders verletzlich sind. Wie so oft bleiben diejenigen, die am meisten und am längsten betroffen sind, unsichtbar. Daher haben wir in diesem Statement betont, dass Kinder und Jugendliche als (potentiell) Betroffene von Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen im Vertrag besonders berücksichtigt und ermächtigt werden sollten.

Wie geht es nun weiter in dem Prozess?

Marieta: Der erste Entwurf wurde im Juli vorgelegt. Bis Sommer 2019 soll ein überarbeiteter Entwurf vorliegen. Es wäre wünschenswert, wenn sich vor allem die Staaten, in denen die transnationalen Unternehmen ihren Sitz haben (wie zum Beispiel die Mitgliedsstaaten der EU) ernsthaft und konstruktiv beteiligen. Hier ist noch viel Handlungsspielraum nach oben. In einigen Bereichen wird juristisches Neuland betreten. Es sind Mut und politischer Wille gefragt – zu Veränderung, zum Ausprobieren, den ersten Schritt zu gehen, um Menschenrechten Vorrang vor ökonomischen Interessen zu geben. Die Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen der Betroffenen ist hierbei das Um und Auf. Bei der nächsten Sitzung im Oktober 2019 könnten dann, wenn alles gut läuft, schon erste Teile des Vertrages finalisiert werden.

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Recht auf Nahrung ̵ genug zu essen für alle

Überall auf der Welt feiern Christ/innen in diesen Tagen Erntedank. Wir sagen Dank für die Früchte, das Gemüse und das Getreide. Es erinnert aber auch daran, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir genug zu essen auf unseren Tellern haben.

Jeden Tag kämpfen Millionen Frauen und Männer weltweit darum, dass ihre Kinder genug zu essen haben. Obwohl weltweit genug Lebensmittel produziert werden, sind Hunger und Unterernährung für Milliarden von Menschen trauriger Alltag. „Die heutige Landwirtschaft könnte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren – also fast das doppelte der aktuellen Weltbevölkerung.“ empört sich Jean Ziegler, einer der bekanntesten Globalisierungskritiker. Es ist also keine Frage von Produktionssteigerung, wenn jeden Tag Millionen Frauen und Männer weltweit darum kämpfen müssen, dass sie für ihre Kinder genug zu essen auf den Tisch bekommen. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verteilung und der Art und Weise, wie Lebensmittel produziert werden. Ein Immer-Mehr an Massenproduktion in „Agrarfabriken“ vertreibt weltweit Kleinbäuer/innen von ihrem Land.

Auch hier sind es die Kinder, die am meisten darunter leiden. Sie sind es auch, denen die Zukunft gestohlen wird, wenn ihre Eltern Äcker und Fischgründe verlieren.

Zum Beispiel in Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen. Über die Hälfte der 26 Millionen Einwohner/innen lebt in Armut. Viele leiden an Hunger. Warum? Auf 80 Prozent des fruchtbaren Landes bauen Konzerne in riesigen Monokulturen Ananas, Bananen oder Ölpalmen für den Export an. Die Bevölkerung hat nichts davon.

Kleinbäuer/innen sei Dank

Industrielle Landwirtschaft frisst Ressourcen und macht Menschen abhängig – von Saatgutfirmen, Krediten, Supermärkten. Eine gute Ernährung für alle braucht nicht mehr Lebensmittel, sondern Vielfalt vom Acker bis zum Teller. Vielfalt schützt vor Mangelernährung und Ernteausfällen. Kleinbäuer/innen sind das Rückgrat des Welternährungssystems. Sie erzeugen fast 70 Prozent aller Nahrungsmittel. Die Welt braucht Kleinbäuerinnen und -bauern für eine stabile und ausgewogene Ernährung. Hunger ist nur vor Ort zu überwinden. Fast Dreiviertel aller Hungernden leben auf dem Lande. Als Klein- und Subsistenzlandwirt/innen, Hirt/innen, Fischer/innen, Landarbeiter/innen und Landlose sind sie direkt von der lokalen Landnutzung abhängig, können sich davon aber häufig nicht ausreichend und sicher ernähren. Der Zugang der Armen auf dem Lande zu Boden, Wasser und Produktionsmitteln, zu Know-How und Wissen sowie zu sozialer Mindestabsicherung in Notsituationen – etwa nach Naturkatastrophen wie zurzeit auf den Philippinen – ist der entscheidende Faktor dafür, ob das Menschenrecht auf ausreichende und gesunde Ernährung umgesetzt wird oder nicht. Und hier kommen wir als Hilfswerk ins Spiel.

Lokales Wissen statt Hybridsaatgut

Die Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar, unterstützt nachhaltige Landwirtschaft und einkommensschaffende Initiativen. Mit unseren Partnerorganisationen organisieren wir Ausbildungen zu agrarökologischen Anbaumethoden. Diese bieten Unabhängigkeit von großen Agrarkonzernen. Ebenso können die Bäuerinnen und Bauern damit besser auf den Klimawandel reagieren – bodenschonend und ertragreich.

Geonathan Barro, Projektleiter von Agro-Eco, einer philippinischen Partnerorganisation, bringt es auf den Punkt: „Biologischer Landbau ist für Mensch und Umwelt besser. Außerdem verschulden sich die Bauern nicht für Hybridsaatgut, Kunstdünger und Pestizide. Wegen solcher Schulden haben schon viele ihr Land verkaufen müssen. Im Zentrum steht die Eigenversorgung. Der Überschuss wird direkt und ohne Zwischenhandel verkauft, damit den Bauernfamilien mehr zum Leben bleibt.“

Agrarökologie bietet hier für viele Bäuerinnen und Bauern eine attraktive Alternative. Sie beruht darauf, die Bedürfnisse der Kleinbauernfamilie ins Zentrum zu stellen, eine ausgewogene Ernährung zu produzieren und dabei die Umwelt und den Boden langfristig zu erhalten. Ein Grundsatz ist, unterschiedliche Kulturen so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und mit Nährstoffen versorgen. Dem Ackergrund wird in Form von Kompost, Mulch oder Mist möglichst viel organisches Material zugeführt, damit er lebendig bleibt, damit sich neuer nährstoffreicher Humus bildet. So bereiten die Biobäuer/innen auf den Philippinen den Boden für das nächste Erntdankfest.

Mehr zum Themenschwerpunkt „Recht auf Nahrung“ der Dreikönigsaktion

christian.herret@dka.at

Schlamm drüber?

Betroffene des Bergwerk-Desasters von Mariana fordern Entschädigung von europäischen Unternehmen.

 

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Am 5. November 2015 ereignete sich die schlimmste Umweltkatastrophe Brasiliens. Ein Rückhaltebecken einer Eisenerzmine im Bundesstaat Minas Gerais brach und fünfzig Millionen Kubikmeter giftiger Schlamm machten sich auf den Weg zum Atlantik. Dabei begrub der Schlamm 19 Menschen unter sich, verseuchte auf einer Strecke von 600 km den Fluss Rio Doce, zerstörte Dörfer, Äcker, Gemeinden, tötete Tiere, vernichtete die Lebensgrundlage von 15.000 Fischer/innen und brachte 3,5 Millionen Bewohner/innen der Region um den Verlust des Wasserzugangs. Bis heute sind die Dörfer nicht wieder aufgebaut, Fluss und Boden auf unabsehbare Zukunft verseucht.

Betreiberfirma der Eisenerzmine ist das brasilianische Unternehmen Samarco Mineração. Das Unternehmen gehört zu je 50% den Bergbaugiganten Vale S.A. und der anglo-australischen BHP Billiton Brasil und wurde von europäischen Banken in Millionenhöhe gefördert. Trotz unzähliger anhängiger juristischer Verfahren, auch gegen das anglo-australische Unternehmen BHP Billiton Brasil, warten die Betroffenen der Katastrophe von Mariana bis heute auf angemessene Entschädigung. Die Unternehmen wollen von ihrer (Mit)Verantwortung nichts wissen und verzögern die Verfahren. Dabei sollen sie von den Risiken des Dammbruchs gewusst und aus Kostengründen keine Sicherheitsmaßnahmen ergriffen haben.

30 Monate nach dem Dammbruch machten sich die Betroffene Lilica Silva und der Aktivist Joceli Andrioli auf den Weg nach Europa, um die Verantwortung auch europäischer Unternehmen für die Katastrophe von Mariana einzufordern. Sie sprachen mit Politiker/innen und Beamt/innen in Deutschland und Brüssel, berichteten auf dem Katholikentag in Münster und nahmen an der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt teil.

Am 15. Mai hatten Joceli und Lilica Gelegenheit in Wien über den Hergang und die Auswirkungen der Katastrophe und ihre europäischen Verstrickungen  zu berichten.

In einer Kommentarrunde forderten Karin Küblböck von der ÖfSE die Berücksichtigung von Menschenrechtsklauseln in der Handelspolitik; Konrad Rehling von der AG Rohstoffe ein sozial-ökologisches Upgrade der österreichischen Rohstoffstrategie; Sabine Stelczenmayr vom ÖGB International die globale Verantwortung von multinationalen Unternehmen und Marieta Kaufmann von der Dreikönigsaktion die Einführung von menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfungspflichten von Mutterunternehmen für ihre Tochter und Subunternehmen ein.

„Nichts ist mehr, wie es vorher war, alles hat sich geändert“, resümiert Lilica. Auf die Frage des ORF, was sie Österreich mitgeben will, antwortet sie zögerlich: „Ich will mein Leben zurück.“ Schlamm drüber? Nicht für die Betroffenen.

Weitere Informationen:

Guatemala: Hilfe für die Opfer des Vulkanausbruchs

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Matthias Fichtenbauer, Lateinamerika-Referent der Dreikönigsaktion, bittet um Spenden für den Wiederaufbau seines „guatemaltekischen Heimatdorfes“.

Die Süddeutsche Zeitung spricht in ihrer Berichterstattung über den Ausbruch des Fuego, des sogenannten Feuervulkans, am 3. Juni 2018 von einem zentralamerikanischen Pompeji. Ganze Dörfer existieren nicht mehr. Begraben unter Lava, Schlamm und Asche ist alles, was dort lebte tot. Menschen, Tiere und Pflanzen. Mehr als 200 Todesopfer sind zu beklagen. Mehr als 3.000 Personen mussten evakuiert werden. Der Ascheregen hatte sich sogar bis zur guatemaltekischen Hauptstadt ausgebreitet. Insgesamt sind 1,7 Millionen Menschen vom Ausbruch betroffen.

Ich kenne die Region sehr gut. Ich war – im Rahmen meines Auslandszivildienstes – ganz genau in dem am schwersten betroffenen Gebiet tätig. Damals mit einer guatemaltekischen Organisation namens CADECO. Wir haben die Wiederansiedlung der nach dem Bürgerkrieg zurückkehrenden Flüchtlinge in dem Dorf „15 de Octubre, La Trinidad“ begleitet und ihnen geholfen, sich ein neues Leben als nachhaltige Landwirt/innen (inkl. Kaffeeanbau) aufzubauen. Zehn Monate lang habe ich in diesem Dorf gewohnt, mitgelebt, mitgefeiert und Freundschaften geschlossen.

 

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Matthias Fichtenbauer, Projektreferent Guatemala, mit Urbano, dem Leiter der Kaffeekooperative in La Trinidad, Guatemala und dessen Familie.

In „La Trinidad“ selbst gab es meines Wissens nach keine Toten. Der große Schlamm- und Lavastrom ging nur zwei Kilometer weiter östlich nieder, genau dort, wo die Bundesstraße die beiden wichtigen Städte Antigua und Escuintla miteinander verbindet.

Aber die Folgen für die Menschen sind verheerend. Die gesamte Ernte für heuer wurde vernichtet. Im Gebiet kam ein massiver Ascheregen herunter, der teilweise eine 10 cm dicke Schicht bildete. Unter dieser wurden alle Kulturpflanzen begraben. Für Gemüsebeete und die Milpa – also Mais und Bohnen – eine Katastrophe und speziell für deren Exportschlager Bio-Kaffee ebenfalls extrem schädlich, weil Kaffeepflanzen sehr sensibel reagieren und sofort ihre Blüten abwerfen.

Momentan sind die Dörfer allesamt noch evakuiert. Das Ausmaß der Zerstörung ist daher auch noch nicht ganz abschätzbar. Das heißt im Klartext, besonders wichtig wird es sein, diese Menschen beim längerfristigen Wiederaufbau nach der Katastrophe zu unterstützen. Die guatemaltekische Regierung hat den Opfern bereits ausgerichtet, dass es keine Ressourcen für Unterstützung gibt. Sie hat gleichzeitig ausländische Hilfskräfte (z.B. aus El Salvador), die im Epizentrum der Katastrophe ehrenamtlich mit anpacken wollten, daran gehindert, nach Guatemala einzureisen. Zum eigentlichen Desaster kommen also noch gravierende politische Fehlentscheidungen dazu – in dieser Einschätzung sind sich unsere Partnerorganisationen in Guatemala allesamt einig.

Meine Kontaktperson zum Dorf „La Trinidad“ heißt Cristy Gloria Granados, ist eine ehemalige Mitarbeiterin von CADECO, arbeitet mittlerweile als freie Konsulentin für Projekte, lebt in Guatemala City und besucht La Trinidad öfter, um dort die Freunde von früher zu besuchen, sich nach dem Werdegang der Kinder zu erkundigen etc. Auch sie konnte wegen dem erkalteten Lavastrom und der Evakuierung des Gebiets (inkl. Warnung, dass der Vulkan noch einmal ausbrechen könnte) noch gar nicht ins Zielgebiet reisen. Aber sie hat mir versprochen, sobald es möglich ist, dorthin zu gelangen. Cristy kann sich kein Auto leisten, also ist sie auf die Fahrt mit öffentlichen Bussen angewiesen und ich vermute, dass diese momentan gar nicht verkehren, weil die Bundesstraße noch ganz verschüttet ist mit Lava…

Nachdem wir noch keine Einschätzung über die Schäden haben, wäre es – als zuständiger Projektreferent für Guatemala – unseriös, ein Soforthilfeprogramm auf die Beine zu stellen. Bis wir genauere Informationen haben, heißt es – auch wenn es schwer fällt: Bitte warten.

Unsere langjährige Partnerorganisation CEADEL hat mittlerweile angeboten, die Organisation der Hilfe für die Opfer zu übernehmen. In ihrem eigenen Wirkungskreis (Chimaltenango) gab es keine schweren Schäden – nur ganz leichten Ascheregen. Was ihr jetzt für die Menschen in den betroffenen Dörfern tun könnt ist, für den langfristigen Wiederaufbau zu spenden. Sobald wir Informationen haben, wird es ein Projekt der Dreikönigsaktion geben, in dem eure Spenden dazu beitragen, den Menschen von „La Trinidad“ wieder auf die Beine zu helfen.

Danke im Voraus!

Spendenkonto:

BAWAG P.S.K.

Empfänger: Dreikönigsaktion

IBAN: AT23 6000 0000 9300 0330

BIC: BAWAATWW

Verwendungszweck: Wiederaufbau Guatemala

Alle Spenden für dieses Projekt sind steuerlich absetzbar. Wenn Sie die Spende von der Steuer absetzen möchten, geben Sie beim Verwendungszweck auch Ihren vollen Namen (laut Meldezettel) und das Geburtsdatum (im Format Tag.Monat.Geburtsjahr, also z. B. 09.08.1979) für die Übermittlung ans Finanzamt an.

Nicaragua in Gewalt und Chaos

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CC-BY-2.0 – Jorge Mejía peralta

Der Volksaufstand in Nicaragua fordert weiter Tote. Die Lage ist chaotisch und es ist weiterhin keine Lösung in Sicht.

— MIT VERANSTALTUNGSHINWEIS UNTEN —

Aktuell zählt das CENIDH (Nicaraguanische Kommission für Menschrechte) bisher 139 Tote, über Tausend Verletzte und zahlreiche Verschwundene (Stand 10.6.2018). Dazu kommen Plünderungen von Geschäften und Sachbeschädigungen privater bzw. öffentlicher Einrichtungen. Die Mobilität im Land ist durch über 125 Straßensperren nur eingeschränkt möglich. Die Blockaden der Bevölkerung dienen als Druckmittel und gleichzeitig als Schutz vor paramilitärischen Gruppen und Schlägertrupps der Regierung. Besonders betroffen sind Städte, wie Managua, Masaya, Carazo, Matagalpa etc., weil daraus folgend die Versorgungslage der Bewohner/innen täglich prekärer wird.

Der begonnene nationale Dialog zwischen der Regierung von Präsident Daniel Ortega und Unternehmer/innen, sowie oppositionellen Gruppen ist ausgesetzt worden. Die katholische Kirche, in der Rolle als Mediator, schlug die Bildung einer gemeinsamen Kommission vor, um einen Konsens zu erzielen. Laut Kardinal Leopoldo Brenes geht es konkret um die Forderung der Regierung, die Straßensperren der Bevölkerung zu beenden. Diese fordert wiederum ein Rahmengesetz, das vorgezogene Neuwahlen und eine Neubesetzung der Wahlbehörde ermöglicht, sowie die Wiederwahl des Präsidenten unterbindet. Der angestrebte Konsens wirkt in weiter Ferne. Während sich Ortega 72 Stunden Reflexionszeit nach den letzten Verhandlungen erbeten hatte, gibt es weitere Todesopfer (meist Jugendliche) zu beklagen.

Mittlerweile sind internationalen Stimmen gegen die Gewalt in Nicaragua immer lauter und nicht mehr zu überhören:

Scharfe internationale Kritik an der Regierung Ortega übte die Interamerikanische Menschrechtskommission (CIDH) und verurteilte nachdrücklich die Todesfälle, Übergriffe und willkürlichen Verhaftungen. AI (Amnesty International) forderte Ortega auf die „grausamen, andauernden und tödlichen Angriffe auf Leben, Meinungs- wie Versammlungsfreiheit“ einzustellen. Die Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und das Europäische Parlament haben sich zur Lage in Nicaragua geäußert und sich für eine friedliche Lösung der Krise ausgesprochen. Am 10.6. wurden in verschiedenen europäischen Hauptstädten (auch in Wien) Solidaritätskundgebungen der Zivilgesellschaft für das nicaraguanische Volk abgehalten. Auch der Papst hat sich nach einem Angelus Gebet gegen die Gewalt in Nicaragua und für den Frieden ausgesprochen. Viele seiner Bischöfe und Priester setzen sich trotz Morddrohungen für die lokale Bevölkerung ein. Zahlreiche Kirchen dienen als Schutzeinrichtung bzw. Versorgungslager und die lokalen Kirchenvertreter werden nicht müde die Repression durch die Regierung klar zu benennen und zu verurteilen.

Die Partnerorganisationen der DKA/kfb bestätigen uns die fordernde Situation. Durch die Blockaden müssen vermehrt Aktivitäten verschoben werden. Manche berichten, dass kein normaler Büroalltag möglich ist. Große Sorge besteht auch darüber, dass nur eingeschränkt die Aussaat am Beginn der Regenzeit erfolgen kann. Es wird eine schlechte Ernte und damit eine mangelhafte Versorgung der Bevölkerung in der zweiten Hälfte des Jahres befürchtet. Leider gibt es auch den ersten Todesfall von Angehörigen einer Partnerorganisation zu beklagen.

Am 3.6. ist außerdem der frühere Erzbischof von Managua Kardinal Miguel Obando y Bravo im Alter von 92 Jahren verstorben. Die streitbare Person war seit 2007 von Ortega zur Förderung des nationalen Friedens und der Versöhnung ernannt worden. Sein Ableben erscheint sinnbildhaft für die schwierige Lage in Nicaragua. Die Menschen wollen Demokratie, Selbstbestimmung und ein normales Leben, erhalten aber Gewalt und Chaos.

 

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Veranstaltungshinweis:

Nicaragua 2018 – Von der Repression zur Implosion

Dienstag, 26. Juni 2018, 19:00 Uhr
Österreichisches Lateinamerika-Institut
LAI-Europasaal, Türkenstraße 25, 1090 Wien

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Nicaraguas Gesellschaft hat sich seit den Protesten gegen die Beitragserhöhungen des staatlichen Sozialversicherungsinstituts (INSS) drastisch verändert. Die seit Monaten anhaltenden Proteste und Gewaltausbrüche haben mehr als 120 Tote, unzählige Verschwundene und hunderte Verletzte hervorgebracht, für die laut Interamerikanischer Menschenrechtskommission (CIDH) in erster Linie die Regierung verantwortlich ist. Nicaraguas politische Landschaft ist, vor allem nach dem Scheitern des nationalen Dialogs, implodiert. Die Podiumsdiskussion sucht einen analytischen Zugang zur äußerst chaotischen Lage Nicaraguas. Unser Ziel ist es, die verschiedenen Komponenten der politischen Lage zu differenzieren bzw. zu entwirren, um ein möglichst klares Bild von der komplexen Situation in Nicaragua zu schaffen. Gleichzeitig geht es darum, neue Ansätze zu finden und alte politische Konzepte im Lichte des aktuellen Kontextes neu zu definieren.

Mit:
Leo Gabriel (Publizist, Filmemacher und Sozialanthropologe)
Teresa Gruber (Aktivistin)
Chale Guadamuz
(Umweltaktivist)
Ralf Leonhard
(Publizist)

Moderation: Georg Grünberg (LAI)

Es wird darauf hingewiesen, dass am Veranstaltungsort Fotos oder Videos angefertigt werden und zu Zwecken der Dokumentation der Veranstaltung veröffentlicht werden können.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Mit freundlichen Grüßen

Ihr LAI-Team

Ist der Präsident Nicaraguas am Ende?

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„Herr Präsident hören sie auf unsere Proteste zu unterdrücken. Ich fordere Sie auf die Gewalt durch die Polizei und ihre Schlägertrupps hier und jetzt zu beenden…das ist kein Dialog, sondern eine Verhandlung über ihr Ausscheiden aus dem Präsidentenamt…“

Am 15.5. 2018 hat der Student/innenvertreter Lesther Alemán seinem Präsidenten Daniel Ortega bzw. seiner Frau Rosario Murillo gehörig die Leviten gelesen. Dabei hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass das nicaraguanische Volk eine andere politische Führung und eine demokratische Erneuerung verlangt. Was war passiert? Kurz der Reihe nach:

Ende April und im Mai sind in Managua und in anderen Städten mehrfach tausende Menschen auf die Straße gegangen. In diesen Wochen erlebte Nicaragua die gewalttätigsten Auseinandersetzungen unter der sandinistischen Regierung von Präsident Daniel Ortega. Auslöser war die Ankündigung einer Reform der Sozialversicherung zum Nachteil der Versicherten (Leistungskürzungen um 5%) und aufgestaute Frustrationen der Bevölkerung der letzten 10 Jahre (Korruption, Nepotismus, Wahlbetrug, Gewalt durch das Militär etc.). Tausende Menschen gingen daraufhin im ganzen Land auf die Straßen. Studierende haben die Proteste begonnen und in Folge andere Teile der Gesellschaft mit mobilisiert. Die Regierung antwortete mit harten Polizeieinsätzen und eigenen Schlägertrupps. Laut der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (CIDH) starben bisher 73 Menschen. Hunderte Menschen wurden verletzt, gefoltert bzw. sind noch vermisst. Oppositionelle Medien klagen außerdem über Einschränkungen der Pressefreiheit. So sollen Fernsehsender, die über die Proteste berichtet hatten, zeitweise nicht mehr empfangbar gewesen sein. Die angekündigte Reform der Sozialversicherung wurde rasch von Präsident Ortega zurückgenommen. Die Bevölkerung fordert aber mehr: seinen Rücktritt und eine Erneuerung der Demokratie im Land. Mittlerweile will sich die Armee nicht mehr an der Repression beteiligen und der mächtige Wirtschaftsverband, der unter der Politik Ortegas gute Geschäfte machen konnte, forderte ebenfalls ein Ende der Gewalt und eine demokratische Erneuerung.

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Am besagten 15.5. wurde ein Verhandlungsprozess zwischen der Regierung mit dem Präsidentenehepaar und verschiedenen Vertreter/innen der Zivilgesellschaft gestartet. Die katholische Kirche ist mit der Mediation des Konflikts beauftragt. In den aufregenden Wochen davor hat sich die Bischofskonferenz durch eine geschlossene klare Kritik an der Regierung positioniert und hat auch verschiedene Vorbedingungen, wie ein Ende der Repressionen und Aufklärung der Gewaltverbrechen etc., für Verhandlungen gestellt. Viele Priester und auch Bischöfe haben sich schützend für die Demonstrant/innen eingesetzt. Besonders oft wird Weihbischof Silvio Baez von Studierenden genannt, der sie von Beginn an unterstützt hatte. Am 20. April haben zum Beispiel knapp 2.000 Studierende in der Kathedrale Managuas Zuflucht vor den Schlägertrupps der Regierung gefunden.

Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar / Katholische Frauenbewegung (DKA/kfb) ist Teil des Netzwerks der katholischen Hilfswerke (CIDSE), das Ende April gemeinsam mit dem Lobbynetzwerk Europa-Lateinamerika (RED EU-LAT) einen offenen Brief an die Europäische Gemeinschaft und ihren Mitgliedsstaaten gerichtet hat. Darin wurde die Besorgnis über die aktuelle Situation im Land ausgedrückt und internationale Unterstützung für Menschrechtsverteiger/innen gefordert (https://www.cidse.org/newsroom/crisis-de-los-derechos-humanos-en-nicaragua.html).

Unsere Partnerorganisationen vor Ort und ihre Begünstigten beklagen bisher keine Verletzten, oder sogar Tote. Es wird versucht die Umsetzung der Projekte, so weit wie möglich, weiter zu führen. Aus Sicherheitsgründen müssen allerdings manches Mal Aktivitäten verschoben werden.

Wie die Verhandlungen weiter verlaufen werden, ist aus heutiger Sicht (22.5.2018) noch nicht abschätzbar. Wenn, gemäß der Verfassung, die Macht vom Volk ausgeht, dann muss die Präsidentschaft des ehemaligen Revolutionsführers Daniel Ortega rasch zu Ende gehen. Nicaragua steht vor ungewissen Zeiten. Niemand kann sagen, wie lange sich Ortega gemeinsam mit seiner Frau an der Macht halten kann. Und niemand kann heute sagen, wer oder was nach Ortega kommen wird.

clemens.koblbauer@dka.at, Projektreferent für Nicaragua

 

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Fotos: CC-BY-2.0, Jorge Mejía Peralta, Flickr: https://www.flickr.com/photos/mejiaperalta/

Nach Absturz der Auslandshilfe braucht es Kurskorrektur

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Als Christ/innen können wir die Ungerechtigkeit auf der Welt nicht ignorieren, wo – wie Papst Franziskus es sagt „einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können“.

Seit Jahren verspricht die österreichische Politik eine Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit. Der drastische Rückgang der Ausgaben 2017 fordert eine rasche Kurskorrektur: Wir müssen unser „gemeinsames Haus Menschheit“ sanieren anstatt zuzusehen wie Teile davon im Elend versinken.

Hat Papst Franziskus sein neues Schreiben „Gaudete et Exsultate“ direkt an die österreichische Bundesregierung adressiert? Er ruft darin zu größerer Aufmerksamkeit für bedürftige Menschen und eine sozial gerechte Welt auf. Christlich sein heißt demnach, „Jesus in den Armen und Elenden zu erkennen“. Es scheint Bundeskanzler Kurz und seine neue Volkspartei, entfernen sich immer mehr von ihren christlich-sozialen Wurzeln.“ kritisiert Jakob Wieser, Geschäftsführer der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, den Rückgang der Mittel und appelliert an die Bundesregierung: „Wenn es um globale Verantwortung geht, kann Österreich mehr. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Die Wirtschaft floriert, es geht uns gut.  Erst vor wenigen Tagen haben wir einen neuen Spendenrekord bei der Sternsingeraktion feiern dürfen. Dies zeigt: Solidarität und Nächstenliebe sind Werte, die in Österreich hochgehalten werden. Die Bundesregierung darf nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss sich an der Spendenfreude der Österreicher/innen orientieren und jetzt die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit substanziell und nachhaltig erhöhen! Alles andere wäre gerade angesichts der globalen Krisen kontraproduktiv, denn: Wir wohnen als Menschheit alle in einem gemeinsamen Haus. Wir müssen alles daran setzen dieses gemeinsam zu sanieren anstatt zuzusehen wie Teile davon im Elend versinken. Wenn wir nicht mit aller Kraft dagegen steuern und die Lebensbedingungen der Menschen in den Armutsregionen des Globalen Südens verbessern, verstärken wir globale Probleme, wie zum Beispiel große Fluchtbewegungen, längerfristig. Als Christ/innen können wir die Ungerechtigkeit auf der Welt nicht ignorieren, wo – wie Papst Franziskus es sagt „einige feiern, fröhlich verbrauchen und ihr Leben auf die Neuheiten des Konsums reduzieren, während andere nur von außen zuschauen können“.

Die OECD hat am 9. April die neusten Zahlen zu den internationalen Bemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit veröffentlicht. Während andere OECD Länder – wie Schweden (1,1%) – ihre Bemühungen verstärken und das international vereinbarte Ziel von 0,7 Prozent sogar übertreffen, weist die OECD  Österreich für 2017 einen Wert von 0,3 Prozent des Bruttonationaleinkommens im Rahmen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit aus. Das ist ein drastischer Rückgang von über einem Viertel gegenüber dem Wert von 2016 (0,42 Prozent). Auch wenn dieser vor allem auf gesunkene Ausgaben für Flüchtlingsbetreuung im Inland zurückzuführen ist, entfernt sich Österreich immer weiter von den langjährigen Zusagen der Republik, 0,7 Prozent des BIP für die Entwicklungszusammenarbeit aufwenden zu wollen. Als Außenminister hat Sebastian Kurz das 0,7-Ziel immer wieder in Aussicht gestellt, und auch im Regierungsprogramm ist ein „Bekenntnis zu einer stärkeren Hilfe vor Ort sowie zum langfristigen Ziel, die EZA auf 0,7% des BIP zu erhöhen“ vermerkt. Im neuen Budgetentwurf für 2018/2019 sind aber – entgegen all dieser Versprechungen weitere Kürzungen vorgesehen.

Auf der Facebookseite der Dreikönigsaktion könnt ihr unseren Appell an das österreichische Parlament unterstützen, die Auslandshilfe nicht weiter zu kürzen.