Nairobi und COVID-19

Der Corona-Virus ist in Kenia angekommen. Die Zahlen sind noch sehr gering – aber alle wissen, sie werden rapid steigen. Eine dramatische Entwicklung zeichnet sich ab. Das kenianische Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, eine große Anzahl von Fällen zu bewältigen. Schon wenige hundert Intensivpatient/innen würden nur schwer betreut werden können. Aber die Menschen fürchten nicht nur die Ansteckung, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise könnten ebenfalls sehr viele Menschenleben kosten.  

Im Mukuru-Slum in Nairobi müssen viele Menschen täglich einen Überlebenskampf führen. Das Team von MPC (Mukuru Promotion Centre) leistet „Hilfe zur Selbsthilfe“, welche die Lebenssituation der Menschen nachhaltig verbessert. Im vergangenen Winter war das MPC „Beispielprojekt“ der Sternsingeraktion. Von Sr. Mary Killeen, der Leiterin der Einrichtung, erreicht uns ein Mail und erzählt von den ersten Tagen von COVID-19 in Nairobi: 

Unsere Freundinnen und Freunde auf der ganzen Welt wollen wissen wie es uns im Mukuru Slum mit der Corona Krise geht. Die Maßnahmen und Empfehlungen des Gesundheitsministerium und der Regierung unterscheiden sich nicht von jenen in den anderen Teilen dieser Erde: Wasch deine Hände regelmäßig und gründlich, Social Distancing – wir sollen zwei Meter voneinander Abstand halten und – Homeoffice – von zu Hause aus arbeiten. Gleiches Virus – gleiche Regeln. Nur: Das Leben im Mukuru-Slum unterscheidet sich gewaltig vom Leben in anderen Teilen unserer Welt.  

Regelmäßig gründlich Hände waschen? Die Menschen im Mukuru Slum können sich das Wasser nicht leisten, um sich regelmäßig die Hände zu waschen.  

Social Distancing? In Wien, der am dichtest besiedelten Region Österreichs leben rund 4.500 Menschen pro km², im Mukuru Slum kommen auf einen km² über 83.000 Menschen.  In einer der Abertausenden für die Slums von Nairobi so typischen Wellblechhütten – die meisten von ihnen messen nicht einmal 10m² leben im Durchschnitt zwischen 5 bis 10 Menschen. Wie willst du da den so wichtigen Abstand wahren, der die Ansteckungsgefahr minimiert? 

Homeoffice? Die Menschen hier haben keine regulären Jobs. Sie haben kleine Straßenläden, verrichten Dienstleistungen, produzieren und verkaufen direkt auf der Straße. Können sie diesen Beschäftigungen nicht nachgehen – so wie jetzt zur Zeit des Lockdown – haben sie kein Einkommen. Haben sie kein Einkommen gibt’s nichts zu essen. Das Gleiche gilt für die Kinder. Ein Grund warum viele von ihnen regelmäßig die Schule besuchen ist, weil sie dort etwas zu essen bekommen. Sind die Schulen – wie jetzt geschlossen – fällt für viele die einzige warme Mahlzeit am Tag aus.  

Also haben wir mit Essensausgaben begonnen. Obwohl die Schulen geschlossen sind, haben wir unseren SchülerInnen und ihren Eltern ein warmes Mahl zubereitet. Als andere Menschen gesehen haben, dass gegen 13.00 Uhr Viele mit leeren Essensbehältern in Richtung Schule gingen, haben sie unser Gelände fast gestürmt. Die Polizei musste Tränengas einsetzen, um die Lage zu beruhigen. Die Lage hier droht zu eskalieren noch bevor die Pandemie wirklich ausgebrochen ist.  

Ein weiterer Umstand, der die Opferzahlen der Pandemie stark in die Höhe schnellen lassen könnte, ist die schlechte Verfassung vieler Slumbewohner/innen. In unserer Klinik sehen wir immer öfter, dass die Menschen unter den Auswirkungen von Mangelernährung mehr leiden, als an den Krankheiten, wegen denen sie zu uns kommen.  

Wir haben deswegen bei MPC jetzt begonnen „Immunsystem Booster Packages“ zusammenzustellen und zu verteilen. Ein Paket im Wert von 10 Euro enthält: 3 Orangen, 1 kg Maismehl, Wasser, Desinfektionsmittel und Seife. Wir sind uns bewusst, dass wie damit den Virus nicht stoppen können. Aber es ist das Einzige was wir tun können.  

Wir halten euch auf dem Laufenden.  

Sr. Mary Killeen 

PS In unserer Lehr-Tischlerei haben wir begonnen Särge herzustellen. Wenn sich das Virus ähnlich wie in Italien und Spanien ausbreitet, werden wir sie bitter benötigen um die Menschen wenigstens in Würde beerdigen zu können. 

Rund um die Welt schnüren die Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion Soforthilfepakete für Familien. 

Helfen Sie den von der Corona-Krise betroffenen Menschen und unterstützen Sie unsere Partnerorganisationen mit Ihrer Spende. 

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