Blog der Dreikönigsaktion

Silvester ohne Amanda

Mutter mit Amandas Flublatt

Am 1. Jänner wäre Amanda 23 Jahre alt geworden. Als ihre Mutter erfährt, dass die Sternsingerdokumentation am Neujahrstag ausgestrahlt wird, beginnt sie zu weinen. Am 28.Juni 2002 ist Amanda verschwunden. Wenige Wochen später wurde ihre verkohlte Leiche neben einer Autobahn gefunden.

Noch heute, 13 Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden ihrer Schwester und Tochter, wird die Familie von Amanda von Portal Kids betreut, einer Einrichtung in Rio de Janeiro, die den Angehörigen verschwundener Kinder in ihrem Schmerz zur Seite steht. Die Organisation wird unterstützt mit Sternsingerspenden aus Österreich. Ein ORF-Team hat Projekte der Dreikönigsaktion in Brasilien besucht und zeigt in einer TV-Dokumentation, wie dort Spenden aus der Sternsinger-Aktion helfen – zu sehen am 1. Jänner 2016, 17.05 Uhr, in ORF 2 und am 06. Jänner 2016, 09.20 Uhr, in 3sat.

Es sei ein seltsamer Tag gewesen, der 28. Juni 2002, erzählt uns Amandas Bruder Nicolas. Die Kinder hatten Schulfrei. „Sie war neun und ich zwölf. Ich war gerade dabei Englisch zu lernen, und warum auch immer, Amanda wollte einen Hamburger essen. Darum hat mich meine Mutter gebeten, in den Supermarkt zu gehen, um Brot, Fleisch und die notwendigen Zutaten zu kaufen. Ich hab sie um eine Minute Zeit gebeten, weil ich noch für eine Prüfung lernen musste. Dann wollte ich gleich gehen.“  Nicolas plagen noch heute Schuldgefühle wenn er über das Erlebte spricht.

Amanda, die nicht warten wollte, bettelte die Mutter an, dass sie bis dahin beim Portier des Hauses im Stiegenhaus warten durfte. Als Nicolas dann Minuten später hinunterging, war Amanda verschwunden. Nicolas ging zum Supermarkt über die Straße, aber Amanda war nirgends mehr zur sehen. Die Suche nach dem Kind verlief ergebnislos, auch als die Polizei eingeschaltet wurde. Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras im Supermarkt zeigten zwar, dass das Mädchen den Supermarkt betreten hatte, aber danach fehlt jede Spur.

Der Vater der Familie hat eine Cousine, die beim Fernsehen arbeitete, dadurch konnte er ein Interview geben, in dem er über das Verschwinden Amandas erzählen konnte. So wurde der Fall bekannt. Nach dieser Veröffentlichung fand man heraus, dass in der Region, praktisch zur selben Zeit drei Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren verschwunden sind, die gleich ausgesehen haben. Gleiche Hautfarbe, Größe, ähnliche Haare.

Amanda wurde auf einem heruntergekommener Grundstück nahe der „Avenida Brazil“ einer Autobahn, die Rio de Janeiro quert gefunden.. Die Täter haben den Körper verbrannt und das Feuer hat Teile des Grundstücks in Brand gesetzt. Arbeiter haben das Feuer gelöscht, und dabei Amandas Körper und die sterblichen Überreste eines zweiten Kindes entdeckt. Durch die Ermittlungen danach, haben sie drei weitere Körper von toten Mädchen gefunden. Obwohl es konkrete Hinweise auf die Täter gibt konnte Amandas Mörder konnte nie gefasst werden. Soweit die Chronologie der Ereignisse.

Das Martyrium, das für die Familie damals begann wird nie ein Ende finden. „Wenn ich weinen muss, sperre ich mich im Bad ein, drehe die Dusche auf, zähle bis zehn,“ Amandas Mutter Cristiane versucht den Schmerz der nie vergeht sich nicht ansehen zu lassen, „dann trockne mich ab, wische die Tränen ab, versuche zu lachen und gehe dann zurück zur Familie. Ich möchte nicht, dass meine Kinder, die noch am Leben sind noch mehr leiden. Und das Leid der Schwester mit sich herumtragen.

Cristiane ist das Schlimmste wiederfahren, dass einer Mutter passieren kann. Ihre geliebte Tochter ist in die Hände grausamer Mörder gefallen. Bis heute weiß sie nicht, ist Amanda einem Kinderpornoring in die Hände gefallen, war sie das Opfer von Organhandel oder war es die Einzeltat eines Wahnsinnigen. In der ersten Zeit nach dem Verbrechen ist sie in eine tiefe Depression gefallen. Sie hat die Wohnung nicht mehr verlassen können und war zu schwach aufzustehen.

Ihr Schicksal hat Cristiane mit Wal Ferrao zusammengebracht. Die Journalistin arbeitet seit vielen Jahren mit den Müttern und den Geschwistern von verschwundenen Kindern. Da die Polizei nicht in der Lage ist die Verbrechen aufzuklären hat sie ihr ganzes Leben dieser Suche gewidmet. Wal arbeitet mit der Staatsanwaltschaft zusammen und interveniert bei der Polizei, wenn es wieder einmal droht, dass ein Fall zu den ungelösten Akten gelegt wird. Da das Verschwinden von Kindern oft mit dem organisierten Verbrechen in Zusammenhang steht ist es nicht verwunderlich, dass ihr Ruf bereits bis in die USA gedrungen ist. Val Ferrao bekommt auch Anfragen vom FBI zu den von ihr betreuten Fällen. „Was die verschwundenen Kinder betrifft glaube ich, haben wir um die zweihundert Fälle gelöst, davon einige auch im Ausland.“ Val Ferrao bleibt bescheiden wenn sie von ihren Erfolgen erzählt. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist auch die psychologische Betreuung der Angehörigen. Ihre Einrichtungen „Maes do Brasil“ – Mütter Brasiliens und „Portalkids“ bringen die Mütter und Geschwister von Verschwundenen und Ermordeten zusammen. „Wir bringen sie zusammen, bringen sie dazu über ihr Leben zu sprechen, gemeinsam zu weinen – aber auch gemeinsam wieder lachen zu lernen.“ Bringt Wal Ferrao ihre Arbeit auf den Punkt. „Hier in Brasilien haben wir keine Unterstützung und stehen sogar in der Kritik. Weil wir über eine Realität sprechen, die unser Land zu verstecken versucht. Darum ist es sehr schwierig Partner im Staat zu finden.“

Unterstützung für ihre Arbeit bekommt Wal von den Sternsingern aus Österreich. Die Schmerzen der betroffenen Familien werden nie vergehen, aber wir können den „Müttern Brasiliens“ in ihrem Leid zur Seite stehen.

Paris im Rückblick: Gerechtigkeit gehört aber nicht umgesetzt

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Die Conference of Parties Nummer 21 (COP21) ist zu Ende. Etwas später als geplant wurde am Samstag, 12. Dezember 2015 ein weltweites Klimaschutzabkommen beschlossen, das historische Dimensionen hat. In den letzten Jahren wurde viel gerungen und nun sind alle Staaten an Bord. Sogar die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien. Sie galten zuletzt als „Bremser“.

Die Weltgemeinschaft will die globale Durchschnittserwärmung bis 2100 weit unter 2 °C halten und zielt dabei auf 1,5 °C ab – die so zentrale Marke für das Überleben von Millionen von Küstenbewohnern/innen. Die Staatengemeinschaft erkennt ihre moralische Verpflichtung füreinander also an. Das ist ein Erfolg. Aber es gibt keinen starken Sanktionsmechanismus, der diese Verpflichtung einfordern kann. Zwang wird ausgeschlossen. Regelmäßige Überprüfungen der freiwilligen nationalen Klimaschutzbeiträge gibt es ab 2018. Die derzeitigen Beiträge werden die Erde aber um durchschnittlich 2,7 bis 3 Grad erwärmen.

Nichts erreicht – keine Aussichten?

Das Abkommen selbst ist ein äußerst schwaches, aber es bietet Ansatzpunkte für zukünftige Verbesserungen. Diese werden möglich sein, wenn wir weiterhin unsere Stimmen erheben – und das war für Paris in mehrerlei Hinsicht ein Erfolg.

Dass das 1,5-Grad-Ziel anerkannt wird, dass alle Staaten mit einem Abkommen nach Hause fahren wollten, dass ein Zeichen für eine Welt ohne fossile Energieträger gesetzt wird, ist massiven Anstrengungen außerhalb der COP21 zu verdanken: klare Statements von Papst Franziskus, hunderttausende Menschen auf den Straßen für Klimagerechtigkeit uvm.l

Die letzte Demonstration, vom 12. Dezember 2015 (#d12), ist für mich ein besonderer Erfolg der Zivilgesellschaft. Vielleicht hat sie das Abkommen nicht zu mehr Ambition bewegen können, aber sie ist ein Erfolg für Meinungsfreiheit und für Einigkeit für Gerechtigkeit.

Der geltende Ausnahmezustand in Paris untersagt öffentliche Demonstrationen. Es hieß, dies kam der französischen Regierung nicht ungelegen um einen ruhigen 12. Dezember zu erleben.
Letztendlich hatte sie aber alle Versammlungen genehmigt – genehmigen müssen. Konfrontiert mit einer breiten Allianz hunderter Organisationen, dem schwachen Text der COP21 und der Gefahr mehrerer unangemeldeter Demonstrationen verteilt über die Stadt, ließen den Aktionstag trotz Demonstrationsverbotes Wirklichkeit werden. Die Stimmen für Klimagerechtigkeit fanden Gehör im Zentrum von Paris, während im Verhandlungszentrum eine weitere Runde zu Ende ging.

Kleinbauernorganisationen, Bewohner/innen großer Wald- und Flussgebiete, Frauenbewegungen, Mitglieder globaler Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen, Allianzen verschiedenster Glaubensrichtungen, Kapitalismuskritiker/innen, Radfahrlobbies und unzählige mehr – bunt, laut, engagiert zogen wir drei Stunden durch die Stadt zum Eiffelturm und machten klar: Wir stehen zusammen. COP21 ist nur ein Meilenstein. Klimagerechtigkeit geht weiter.

Mein vorläufiges Resümee: Das Klimaabkommen von Paris ist ein Fakt – für die Zukunft müssen wir uns damit nicht zufrieden geben – Another world is possible!

Jakob Wieser
jakob.wieser@dka.at

Paris Tag 2: Good COP, Bad COP?

Paris Tag 1: „I’ve been very hopeful so far…“´

Paris Tag 2: Good COP, Bad COP?

Good #cop21?

Mein zweiter Tag in Paris war überschattet von der Ungewissheit über den Verhandlungsstatus im Konferenzzentrum. Es gibt verschiedene Berichte über kleinere Erfolge und Rückschritte. Ein kleiner Erfolg wäre die Anerkennung des wichtigen 1,5 °C Ziels, aber ohne konkrete Maßnahmen bringt auch dieses nichts. Rückschritte betreffen unter anderem folgende Punkte:

Menschenrechte werden kaum einen zentralen Teil im Vertragstext spielen. Die Wahrung von Menschenrechten ist besonders bei Großprojekten wie zB Staudämmen im Amazonasgebiet äußerst wichtig. Nicht jede Klimaschutzmaßnahme ist auch eine menschengerechte Maßnahme. Für Alternativen siehe Paris Tag 1. Mit dem Hashtag #stand4rights wird auf dieses Problem aufmerksam gemacht.

Darüber hinaus scheint die Anerkennung der historischen Schuld von Ländergruppen wie der EU und den USA im Text immer geringer zu werden. Eine Kollegin, die bereits an mehreren Konferenzen teilgenommen hat, beschreibt diese zwei Wochen als sehr anstrengend. Nicht nur weil bis spät in die Nacht verhandelt und diskutiert wird. Sondern auch, weil wir hier direkt für eine gerechte Welt innerhalb der staatlichen Verhandlungsräume kämpfen, unsere Ideale vertreten, und oft so wenig Gehör finden.

Dagegen sind die parallelen Veranstaltungen der Zivilgesellschaft voll mit Leben und Optimismus (obwohl das Abkommen trotzdem nicht dafür spricht):

Der Freitag begann mit einem Workshop zu „rethinking development“. Die Vertreterin von Focus on the Global South berichtete von ihrer Arbeit. Ihre Aufgabe ist es bestehende Alternativen zum neoliberal-wachstums-getriebenem Wirtschaftsmodell aufzuzeigen. So ermöglichen sie Führungspersonen von indigenen Gemeinschaften ihr Konzept von Buen Vivir in globalen UN-Diskussionen einzubringen. Zuletzt bei einem Forum der Welternährungsorganisation FAO: „The experts shut up, when the indigenous people presented their knowledge on fishing and farming.“

Anschließend wurde die Enzyklika Laudato Si‘ in einem interreligiösen Forum diskutiert. Narumon Piboonsittikun, Buddhistin aus Thailand, sprach davon, dass Glaube und Ökologie nicht getrennt werden können. Cécile Renouard zitierte Papst Franziskus, der ähnliches anspricht: gut leben in Anerkennung der globalen Limits unseres gemeinsamen Hauses, Gottes Schöpfung. Ivo Poletto vom Klimagerechtigkeitsforum Brasilien bezog sich auf seine Arbeit mit Gemeinschaften im Amazonasgebiet: Die Verbindung des menschlichen Lebens ist untrennbar mit der Erde verbunden. Daraus entsteht eine grundlegende Harmonie ohne ausbeuterische Gier. Diese Gier nach mehr und immer mehr sollte die UN-Klimakonferenz durchbrechen. Das wäre die Erwartung der Afrikanischen Bischofskonferenz, stellate Erzbischof Gabriel Anokye aus Ghana klar.

Der Pariser Gipfel wird unsere Erwartungen nicht erfüllen. Wir machen trotzdem weiter. Klimagerechtigkeit kann nicht mit einem Gipfel erkämpft werden. Außerdem zeigen alle Veranstaltungen das Potenzial unserer weltweiten Aktionsgemeinschaft!

Ich schließe den Tag ab im Zentrum 104 (Das Foto oben ist von dort). Der zentrale Veranstaltungsort für alle Aktivisten/innen. Die Stimmung ist unglaublich. Alle sind bereit für den Aktionstag #d12 der nun gleich startet. Schilder werden gemalt, Nummern und Treffpunkte ausgetauscht. Ich mache mich nun auf den Weg. Fotos und Berichte über die Aktionen sind auf Twitter zu finden (@myskodil). Am Abend wird das finale Ergebnis der #COP21 besprochen. Eine Einschätzung folgt in den nächsten Tagen. Watch this space!

Paris im Rückblick: Gerechtigkeit gehört aber nicht umgesetzt

Paris Tag 1: „I’ve been very hopeful so far…“´

Paris Tag 1: „I’ve been very hopeful so far…“´

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Der UN-Klimagipfel neigt sich dieser Tage dem Ende zu. Wir sind nicht beim offiziellen Teil dabei. Wir treffen, besprechen und vernetzen uns abseits der Staatschefs. Wir, das ist die Zivilgesellschaft – NGOs, Glaubensgemeinschaften, Engagierte aus dem globalen Süden, dem reichen Norden, dem Osten und dem Westen. Wir, ein weltweites Netzwerk verschiedenster Gruppierungen, kämpfen für ein gerechtes Abkommen.

Dieses muss zumindest verbindlich für alle Staaten sein, den Ausstoß von Treibhausgasen massiv reduzieren (Wir sprechen von einer Reduktion um 90 % bis 2050 im Vergleich zu 1990 für EU-Staaten) UND es muss die unterschiedlichen Möglichkeiten der verschiedenen Länder anerkennen.

Ich bin nach Paris aufgebrochen zur Vernetzung mit Partnerorganisationen. Im Zug hörte ich nach langer Zeit wieder einmal das Musical „Jesus Christ Superstar“. Seine Anhänger singen darin, als er verhaftet wird, dass sie bis dato gehofft hatten, dass es nicht so weit kommen würde.

Was tut sich in Paris?

Im Kulturzentrum 104 im nördlicheren Teil der Stadt werden hunderte Workshops, Diskussionen, etc für all die Aktivisten/innen angeboten, die für ein gerechtes Klimaabkommen nach Paris gekommen sind. So auch Samantha Hargreaves von Women in Mining (Südafrika) und Pablo Solon (Bolivien). Sie sprechen beide bei einer Diskussionsrunde gegen überbordenden Extraktivismus – also der umwelt- und menschenfeindliche Abbau von immer mehr Rohstoffen.

Gerade beim Kohleabbau ist das eine sehr relevante Frage für das Weltklima. Aber vor allem auch für die Gesundheit der Minschen rund um die Mine: Damit nicht noch mehr Minen Trinkwasserquellen in der ganzen Welt verschmutzen und damit immer mehr Menschen Lebensgrundlagen entziehen, skizziert Pablo folgenden, visionären Weg:

  1. Die Menschheit hat ihren Lebensstil in Einklang mit der Natur zu bringen
  2. Dazu sind neue Beziehungen notwendig – vor allem jene zwischen Bürger/innen und dem Staat. Die Staatsmacht ist zu denzentralisieren
  3. Im Zentrum jeder Anstrengung müssen die Gemeinden und Gemeinschaften stehen und dabei besonders Frauen
  4. Es benötigt dafür positive Beispiele: zB Gemeinden in Deutschland und Österreich, die Solarpanele errichten und dadurch nicht nur Energiekonsumenten/innen werden sondern diese auch produzieren.

Die Diskussion endet mit vielen positiven Beispielen und mit der Aufforderung: es ist noch viel zu tun. Es herrscht ein bisschen so etwas wie Aufbruchsstimmung: Bei allen Schwierigkeiten – Wir schaffen das.

Doch dann zurück in der Unterkunft. Die Gesichter sind lang bei den Delegationsmitgliedern, die im Konferenzzentrum mitverhandeln. Der Vertragstext wird zusehends schlechter: von einer Dekarbonisierung wird nicht einmal mehr gesprochen. Die Liedstelle „I’ve been very hopefull so far…“ fällt mir wieder ein. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

jakob.wieser@dka.at, derzeit Paris

Paris im Rückblick: Gerechtigkeit gehört aber nicht umgesetzt

Paris Tag 2: Good COP, Bad COP?

 

 

 

 

 

 

 

Sonne bleicht Haut!

Ein paar Tage in Rio und eine Theorie drängt sich auf: Vermehrte Sonneneinwirkung auf der Haut führt nicht wie bisher angenommen zur Bräunung. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Starkes Aussetzen direkter Sonne führt zur Erbleichung. Wie kommt man auf so eine abstruse These?

Das Rezept ist ganz einfach, man besucht ein Jugendgefängnis in Rio de Janeiro mit einem Projektpartner der Dreikönigsaktion, verteilt dort Eis an alle über 300 Insassen (obwohl die Einrichtung für rund 80 Personen konzipiert ist), bekommt somit alle zu Gesicht. Beim Verteilen sieht man mit eigenen Augen, dass die Zellen massiv überbelegt sind – ca. 10 Kids auf 10m². Der Geruch erinnert eher an einen Stall, weil sich die Sanitäranlagen in der Zelle befinden. Das ist auch die Art und Weise wie die strafffälligen Jugendlichen – viele von ihnen werden wegen kleiner Drogendelikte wir Marihuana rauchen weggesperrt (natürlich gibt es auch viele, die bereits in ganz jungen Jahren schwere Delikte begangen haben) – gehalten werden.

Resozialisierung? Ein Jugendlicher erzählt meiner Kollegin, die ihn darauf anspricht, dass er nicht bei dem gemeinsamen Lied mitsingt, er könne nicht lesen, weil er nie – und jetzt kommt’s  – „in die Schule geholt“ wird. Das heißt, er ist und bleibt Analphabet und hat schlicht und einfach nicht die geringste Chance aus der Scheiße rauszukommen. Punkt.

Aber das faszinierendste an der ganzen Szenerie Jugendgefängnis ist, dass alle Insassen, die gesiebte Gefängnisluft atmen, ausnahmslos schwarz waren.

Szenenwechsel: Copacabana. Für die ORF-Doku über die Projekte der Dreikönigsaktion (Sendetermin: 1.1.2016/17.05 ORF2 – eh schon wissen) brauchen wir ein paar „Symbolbilder“ von Rio. Was liegt näher als der berühmteste Strand der Welt?

Und siehe da: Der Großteil der Menschen, die sich hier vor einer Traumkulisse in der Sonne rekeln sind weiß. Um nicht Alle zu sagen: es gibt auch hier natürlich Menschen mit dunkler Hautfarbe, ein ganz kleiner Teil von ihnen sogar unterm Sonnenschirm. Der Großteil der farbigen Menschen an der Copacabana…….verkauft Sonnenbrillen, schlägt Kokosnüsse auf, oder sammelt Müll……

Also entweder stimmt die These „Sonne bleicht Haut“ oder es handelt sich um Rassismus.

christian.herret@dka.at, derzeit in Brasilien

Weiß wie Wir

 

Weiß wie Wir

Auf dem Nebentisch, sitzt ein Mann. Alleine. Trotzdem spricht er laut. Seltsamer Typ, denk ich. Aber sonst keine Beachtung. Beim Verlassen des Lokals erklärt mir mein Begleiter, dass er sich über das T-Shirt einer Kollegin an unserem Tisch echauffiert hat. Das Shirt sagt „Ich steh auf der Seite der Indigenen Völker Brasiliens“.  Warum er gezwungen ist auf so ein T-Shirt beim Essen zu blicken zu müssen, regt er sich auf.

Dass ich ihn nicht verstanden habe, liegt daran, dass sich die Szene einem Restaurant in Dourados, mitten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul abspielt, und ich kein portugiesisch spreche. Ich bin hier sozusagen sowas von Ausländer, dass es ärger nicht geht. Ich kenne weder die hier gebräuchlichen Sprachen (portugiesisch und Guarani) noch Gebräuche. Trotzdem sind alle freundlich zu mir und sie bleiben es auch wenn ich mit meinem Kindergarten-Spanisch (dass das nicht weder die offizielle Landessprache, noch die Sprache der Indigenen ist, bin ich mir durchaus bewusst, aber zu mehr reicht es halt nicht) mich zum fünften Mal versuche verständlich zu machen.

Schnitt und Themenwechsel. Eine andere Kollegin plaudert nach Schulschluss mit indigenen Jugendlichen. Die Girls wollen ein gemeinsames Foto und erklären ihr sie wären so gerne „weiß wie wir“. Dann würde man sie in der Stadt nicht so komisch anschauen – und sie kämen ohne Probleme in jedes Eisgeschäft, in jedes Kino.

Ich bin auf der Straße weder elegant gekleidet noch trage ich teure Markenware. Es weist also nichts darauf hin, dass ich ein wohlhabender Mann bin. Dennoch die oben erwähnte Freundlichkeit. Das liegt schlicht und einfach an der Hautfarbe und man nennt die Verhaltensweise „Rassismus“. Und nur um darauf hinzuweisen: Wir schreiben das Jahr 2015….die Kolonialzeit ist längst vorbei, oder?

christian.herret@dka.at, derzeit auf Pressereise für die Sternsingerdoku im ORF am 1.1.2016, 17.05 in ORF 2 in Mato Grosso do Sul/Brasilien

Komplexe Kleeblätter für Nachhaltigkeit?

diskussion_transforming_our_world_29-okt2015

Die Transformation unserer Welt?
Der Titel der gestrigen, gut besuchten Veranstaltung sollte Programm sein. Schließlich steht die neue globale Nachhaltigkeits- und Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen unter diesem Slogan. Mehrere Organisationen luden am 29. Oktober zur Diskussion. Mit mir am Podium waren Ulrike Lunacek (Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments), Petra Bayer (SPÖ Parlamentsklub) und Stephan Klingebiel (Deutsches Institut für Entwicklung).

Herr Klingebiel wies in seinem Eingangsstatement auf die großen Herausforderungen der Agenda hin. Eine Graphik des Overseas Development Institute verdeutlicht, dass die Welt in mehrfacher Hinsicht ein Umdenken und Revolutionen benötigt. Für mehr als die Hälfte der Ziele der Agenda 2030 müssen sich Regierungen andere Rezepte einfallen lassen. Transformation eben.

Wie gehen wir das an?
Die Europäische Kommission bereitet zwei Erlässe vor. Einen für die Wirkung der Agenda nach „innen“, also für die EU, und einen für die Wirkung nach „außen“, also für die Außenpolitik. Darüber hinaus ist noch nicht viel klar.

In der österreichischen Politik scheint die Debatte auch erst in den Kinderschuhen zu sein. Petra Bayer erwähnt eine „Kleeblatt-Konstellation“: das Bundeskanzleramt, das Außenministerium, das Lebensministerium und das Sozialministerium besprechen gerade die Umsetzung. Konkrete Pläne für Dialoge mit uns allen in Österreich lebenden Menschen, wie zum Beispiel in Deutschland, gibt es noch keine.

In die Diskussion bringe ich folgende Punkte ein:

  • Erstens, wer auch immer mit der Umsetzung betraut wird – es benötigt eine klare Leitungszuständigkeit.
  • Zweitens, was auch immer gemacht wird, wir benötigen eine Modus der Überprüfung – leider wurde dies gestern zu wenig diskutiert.
  • Drittens, ein reiner Bericht über alles was bisher „sowieso“ bereits geschieht ist mir zu wenig. Die Agenda verlangt nach mutigem Umdenken (s.o.). „business as usual“ wird zu weniger Freiheit für Menschen und unseren Planeten bedeuten. Ich hoffe hier auf Mut in den Ministerien und stehe für Diskussionen bereit.
  • Viertens, wir dürfen vor der Komplexität der Aufgabe nicht zurück schrecken. Die Verbindungen zwischen den Zielen dürfen nicht vergessen werden – die Staaten dürfen nicht anfangen sich einzelne, leichter erreichbare Ziele „herauszupicken“.

Haben wir uns eine globale Agenda geschaffen, die zentrale Zukunftsfragen benennt aber gleichzeitig zu komplex erscheint?
Nach großer Transformation hörten sich die Statements aus der Politik noch nicht an. Dass 192 Staatschefs und -innen die Agenda beschlossen haben ist zumindest ein Zeichen, dass die globalen Probleme, die uns alle betreffen, anerkannt werden. Wir, als zivilgesellschaftliche Organisation, müssen weiterhin Druck ausüben, dass hier etwas voran geht und möglichst viele Menschen für Fragen von Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit gewinnen.
Gespräche mit Bekannten nach der Veranstaltung sind Zeichen der Hoffnung: sie wollen parallel zu den globalen Konferenz eine lokale Konferenz nächstes Jahr organisieren. So können wir die Ideen weiter verbreiten. Ich freue mich darauf!

Jakob Wieser

Foto: Gerald Faschingeder/Freire Zentrum

Hat der Nachhaltigkeitsgipfel nachhaltige Folgen?

Sustainable Development Goals – Reduktion und Nachhaltigkeit

New York zwischen SDG und Papstmania

Wie habt ihr eure Angst verloren?

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Die Frage der Angst taucht immer wieder auf, wenn es um Geschlechtergerechtigkeit geht. Wie habt ihr eure Angst verloren, frage ich die Frau, die mit starken Gesten ihre Geschichte des Kampfs gegen die Ausgrenzung durch die Kastenhindus erzählt. Der einzige Zugang zur Hauptstraße soll der Dalitgemeinschaft („Unberührbare“, Kastenlose) von Hajipur genommen werden. Sie leben seit Jahrzehnten hier und ihre Wegerecht existiert seit ehedem. Die Kastenhindus versuchen, wie schon sehr oft erfolgreich umgesetzt, die Gruppe komplett auszugrenzen und ihnen den Durchgang durch ihre neue Ansiedlung zu verwehren. Die Frauen wissen sie haben Rechte. Um diese einzufordern scheuen sie auch nicht vor dem Gang zur Polizei zurück. Diese droht, ist die Polizei doch gewohnt Geld für ihre Dienste von den Angehörigen höherer Kasten zu erhalten. Sie fungieren als Wächter des alten Systems auch wenn sie dabei selbst Gesetze brechen. Bisher war es immer leicht Abhängigkeit Verhaftungen oder Schläge anzudrohen. Weibliche Polizisten werden kommen und sie schlagen. Die Frau strahlt: Wir weichen nicht. Sterben wir, dann wissen unsere Kinder, dass wir für ihre Zukunft gestorben sind.“ Woher kommt diese Furchtlosigkeit? Wir halten zusammen und haben erfahren, dass wir etwas verändern können. Früher haben uns unsere Ehemänner geschlagen, wenn wir zu den Frauentreffen gegangen sind. Sie haben aufgehört, wir sind unabhängig, denn wir haben gelernt uns und unsere Kinder zu versorgen. Die Fesseln der Abhängigkeit zu verlieren, die gegenseitige Aufmunterung und nichts zu haben was man verlieren könnte befreit. Ich sehe starke, entschiedene Frauen. So ganz andere Frauen als die, die in den westlichen Medien präsentiert werde: Indische Frauen als hilflose Opfer der patriarchalen Ordnung Indiens. Hier schauen sie mich mutig, lachend und siegessicher an. Frauen, die keine Privatsphäre haben, keinen Besitz und Tod und Elend kennen. Wie weit sind diese Frauen und wo stehe ich? Im Jetzt, im Hier und ohne Angst meistern sie die enormen Herausforderungen des täglichen Überlebens. Ich bin auf Projektreise in Indien und habe das Privileg von ihnen zu lernen.

Ein Brief aus dem Schwellenland von eva.wallensteiner@dka.at, Projektreferentin Indien

Hat der Nachhaltigkeitsgipfel nachhaltige Folgen?

Die beiden offiziellen NGO-VertreterInnen in der Österreichischen Delegation, Magdalena Kern von Licht für die Welt und Daniel Bacher von der Dreikönigsaktion
Die beiden offiziellen NGO-VertreterInnen in der Österreichischen Delegation, Magdalena Kern von Licht für die Welt und Daniel Bacher von der Dreikönigsaktion

Die UN feiert ihr 70 jähriges Bestehen, die 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung wurde letzten Freitag angenommen und ein für die USA historischer Papstbesuch geht mit einer Messe mit hunderttausenden Besucher/innen heute am Sonntag den 27. September zu Ende. Dieser Tage fallen Worte wie historisch, groß oder transformativ sehr oft. Ob die globalen Nachhaltigkeitsziele wirklich ein großer Wurf sind, lässt sich wohl erst im Nachhinein beurteilen. Sie wurden jedenfalls feierlich angenommen – fertig verhandelt wurde die Agenda bereits vor Wochen.

Am Wochenende wurden sechs interaktive Dialoge zu Armut und Hunger, Ungleichheit und Empowerment von Frauen und Mädchen, nachhaltiger Konsum und Produktion, globale Partnerschaften, Klimawandel sowie rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen abgehalten. Das „Wie“ der Umsetzung stand dabei im Zentrum und die Staaten bemühten sich Konsens und die Stärken der SDGs in den Vordergrund zu stellen.

Ein neues Denken weg von Silos wie Wirtschaft, Soziales oder Ökologie; eine für alle Länder der Welt gültige Agenda; eine stärkere Verankerung ökologischer Ziele; Ungleichheit als eigenes Ziel; eine Einbeziehung der Wirtschaft als Innovationsmotor; ein Bekenntnis extreme Armut abzuschaffen; ein Ziel zu Frieden, Inklusion und Rechenschaft, … die Liste ließe sich ohne Schwierigkeiten verlängern. Umweltschutz wird jedenfalls nicht mehr als Herausforderung im Widerspruch zu Wirtschaftswachstum, sondern Nachhaltigkeit als neue Marktchance begriffen. Was sich durch die SDGs an nationalen Plänen und Nachhaltigkeitsstrategien nun wirklich verändert, war leider noch sehr schwammig. Ein nachhaltig vor jedem Plan macht noch keine wirksame Nachhaltigkeitsstrategie!

In einem Side Event mit der Zivilgesellschaft wurden allerdings erste „SDG Pioniere“ vorgestellt. Tansania, Kenia, Indonesien, Schweden und Kolumbien als Erfindernation der SDGs. Vor allem die Umsetzung von Kolumbien war ausgefeilt. Alle 17 Ziele und 169 Indikatoren wurden mit nationalen Plänen verknüpft, Dialoge geführt und neue Daten gesammelt. Selbst der Friedensprozess wurde mit Indikatoren abgebildet. Eine akademische Übung der nationalen Planungsbehörde oder doch ein Schritt zu ganzheitlicher Entwicklung?

Die Zivilgesellschaft begrüßte die Beispiele als erste Schritte hin zu einer Implementierung und forderten eine rasche Umsetzung, Kohärenz und Rechenschaft ein. Reden alleine genüge noch nicht, die Regierungen werden letztendlich daran gemessen werden, ob die SDGs nun wirklich zu mehr Inklusion, Transparenz, Gleichheit und Empowerment beitragen. Angesichts der vielen gegenwärtigen Krisen, Kriege, steigender Vermögensungleichheit und Menschenrechtsverletzungen blieb allerdings viel Skepsis bestehen.

Auch die Rede vom Papst am Freitag wurde von verschiedensten Sprecher/innen immer wieder als Referenz herangezogen und der Politik Misstrauen bei ihrer Motivation entgegengebracht. Franziskus betonte, dass die Würde der Menschen und ihre Rechte im Zentrum stehen müssen. Zudem müsse der Mensch einsehen, dass er die Erde nicht besitze und Verantwortung übernehmen muss. „he is not authorized to abuse it, much less to destroy it.“ Der Papst betonte sogar, dass die Umwelt Rechte habe und forderte eine Gemeinwohlorientierung ein. Kardinal Tagle aus den Philippinen brachte die Grenzen für Mensch und Erde ebenfalls illustrativ auf den Punkt: „The sky is the limit.“

Die moralische Dimension der Rede vom Papst wurde von vielen immer wieder herausgestrichen und insbesondere Inselstaaten wie Tuvalu, Trinidad und Tobago oder Barbados forderten Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5 Grad Ziels. Die historische Schuld des Nordens wurde betont und die Notwendigkeit mehr für Klimaschutz und Finanzierung zu tun.

Die Klimakonferenz COP 21 in Paris wird letztendlich der erste Litmustest für die neue Agenda sein genauso wie die Ernsthaftigkeit bei der nationalen Umsetzung. Die Agenda könnte in den kommenden Monaten auch noch durch eine verengte Auswahl an Indikatoren (zur Messung) verfälscht werden. Bundespräsident Fischer sprach sich vor der UN jedenfalls für eine nationale, regionale und globale Umsetzung der SDGs aus und bekundete seine volle Unterstützung.

Mehr zum Österreichengagement in NY in Kürze…

daniel.bacher@dka.at

Komplexe Kleeblätter für Nachhaltigkeit?

New York zwischen SDG und Papstmania

Sustainable Development Goals – Reduktion und Nachhaltigkeit

New York zwischen SDG und Papstmania

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New York steht Kopf: Hier ist wahrlich Papstmania ausgebrochen. Bereits am Flughafen war Franziskus auf CNN zu sehen und mittlerweile hört man „the Pope is in Washington, the Pope is coming to NY, the Pope is at St Patrick’s Cathedral, the Pope is speaking tomorrow at the UN“…ja, the Pope is all around. Bei einem „interfaith prayer“ um die Ecke jubeln Angehörige aller Nationen im gemeinsamen Gebet über den Besuch von Franziskus.

Wir hatten heute auch einen Workshop zu den SDGs und die Ökoenzyklika Laudatio Si. Dabei wurde das SDG-Dokument als grundsätzlich solide mit vielen wichtigen Neuerungen gesehen. Beendigung von Hunger und Unterernährung, von extremer Armut und ähnliche Ziele seien im Gegensatz zu den alten MDGs sehr ambitioniert. Der zwischenstaatliche Prozess der Erarbeitung wurde positiv hervorgehoben. Die MDGs waren nicht einmal in der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden. Die nationale universelle Umsetzung wird als große Chance gesehen.

Zugleich enthält das Dokument einige Widersprüche, wie das Ziel 8 mit „promote sustained, inclusive and sustainable economic growth“ schon anklingen lässt. Ist dadurch die große sozial-ökologische Transformation möglich, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels nötig ist? Die Ökoenzyklika findet hier jedenfalls viel deutlichere Worte: „Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil, da er unhaltbar ist, nur in Katastrophen enden kann, wie es bereits periodisch in verschiedenen Regionen geschieht“. Franziskus kritisiert auch ganz offen die Politik, die ihre nationalen Interessen statt das globale Gemeinwohl vertritt. Es ist mit Spannung zu erwarten, wie er sich morgen zum SDG Abkommen äußert und was er den Politiker/innen mit auf den Weg gibt.

Es wird in den kommenden Tagen weniger um den Inhalt der SDGs gehen, als um das Wie und mit Wem. Neben den SDGs werden bei dieser Generalversammlung  auch formell und informell eine Debatte zu Frieden und Sicherheit sowie Syrien im Zentrum stehen. Nicht zuletzt nimmt Putin nach 10 Jahren wieder an einer Generalversammlung teil und wird auf Obama treffen.

Und Österreichs Prioritäten: Bundespräsident Fischer wird am Sonntag früh vor der Generalversammlung sprechen und Bundesminister Kurz wird am Samstag an einem interaktiven High Level Dialog zu fostering sustainable economic growth teilnehmen. Schwerpunkte sind auch eine UNIDO Veranstaltung, Sustainable Energy for all, die Rolle von Jugendlichen bei den SDGs sowie vermutlich eine Teilnahme an dem private sector Forum des Global Compact. Die Schwerpunkte sind klar österreichischen thematischen Interessen zuzuordnen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Bundespräsident Fischer auch im Hinblick auf eine nationale Umsetzung der SDGs äußert. Letztendlich würde ja die Implementierung der SDG Agenda im Fokus stehen oder es mit Laudatio si zu beenden, weil das an einem Tag wie heute wohl dazugehört: Wir brauchen eine Politik, deren Denken einen weiten Horizont umfasst und die einem neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Durchbruch verhilft,….

Daniel Bacher; der Referent für Anwaltschaft der Dreikönigsaktion ist Teil der offiziellen österreichischen Delegation bim SDG-Gipfel in New York

Komplexe Kleeblätter für Nachhaltigkeit?

Hat der Nachhaltigkeitsgipfel nachhaltige Folgen?

Sustainable Development Goals – Reduktion und Nachhaltigkeit